Das Interesse als Motivation

Geschrieben von Super User. Veröffentlicht in Gesunde Systeme

Faktisch oder Fiktiv?

So ist das Faktische im Fiktiven eine ebenso reale Sache wie das Fiktive im Faktischen, und wir mögen beide zusammen lassen als die beiden Seiten von einer Sache und sie als zwei Seiten einer Sache betrachten und die Sache selbst als Sachverhalt beschreiben insofern, als sich das Faktische zum Fiktiven in ein Verhältnis setzt, und das Fiktive zum Faktischen ein Verhältnis bildet, und beide Verhältnisse, und das sind nicht die Gleichen, sich im Faktisch-Fiktiven zum Ausdruck bringen.

Das ist das, was ich voranstellen will und sagen muss, damit das Folgende verständlich wird.

Das Faktische und das Fiktive sind im Kind beide angelegt und mögen sich entwickeln und entfalten, und tun dies auch 'zur vollsten Zufriedenheit', wie es so schön heißt. Denn ob die Zufriedenheit voll ist oder nicht, das mag derjenige entscheiden, der sie hat, und derjenige bezweifeln, der sie noch sucht. So bin ich in mir zufrieden insofern, als das Faktische und das Fiktive sich das Gleichgewicht halten, und ich mich in meinem Leben immer wieder einmal dem Faktischen zuwende, obwohl mir das Fiktive mehr liegt, und ich in meinen Gedanken Fiktionen ersinne und das Fiktive betreibe und mir Vorstellungen bilde über das, was sein könnte in der Welt.

Das ist nun nichts Faktisches insofern, als es die Zukunft betrifft, und ist ein Faktum in meinem Leben doch und insofern, als es meine Zukunft betrifft und mich zu Entscheidungen zwingt und mir Entscheidungen aufnötigt, die durchaus faktisch sind und faktisch Konsequenzen haben.

Das Faktische und das Praktische möchte ich dadurch unterscheiden, dass das Faktische sich als Faktum niedergelegt hat und bemüht ist, sich nicht zu verändern. Denn sich ändernde Fakten sind ein Widerwärtiges für die meisten Menschen und vor allem für Statistiker und für andere, die sich auf Fakten verlassen müssen.

So sind die Naturkonstanten, die wir in der Physik experimentell (und theoretisch) ermittelt haben, Fakten, auf denen wir aufbauen und ebenso die Formeln, die zu ihnen hinleiten. Und dass diese sich nicht ändern, dafür haben wir gesorgt und unser System von Theorien und Experimenten, das wir Physik nennen, so ausgerichtet, dass es diese Fakten unberührt lässt und an ihnen nicht rüttelt und sie nicht verändert und nicht zur Diskussion stellt und nicht darüber disputiert werden darf.

Nun gehöre ich nicht zu denen, die die Fakten als ein Ehrwürdiges anbeten und vergöttern und ihnen einen Absolutheitsanspruch zubilligen. Und so will ich mich durchaus befleißigen, auch an Faktischem zu rütteln, wenn es mir obliegt, an ihm zu zweifeln, wenn ich meiner Logik und meinem logischen Denken und der Logik an sich ein Gutes tun und mich bemühen will, sie intakt zu halten und als ein Faktisches in mir zu bewahren, an dem ich (vorläufig) nicht rütteln will.

Und so erscheint es mir unlogisch, die Naturkonstanten als ein Faktisches zu behandeln und ihnen ein Dauerhaftes zuzusprechen und einen Ewigkeitsanspruch zuzubilligen, denn nichts ist dauerhaft und ewig in dieser Welt. Und so mag man daraus ersehen, dass die Naturwissenschaftler sich keine oder nicht ausreichende Gedanken über die Naturkonstanten machen, denn obschon sie Natur-Konstanten heißen, sind sie der Natur 'ent-nommen' und von ihr weggenommen und dürfen sich nicht mit ihr verändern noch mit der Natur der Sache sich verändern, die sie beschreiben sollen.

Denn die Natur von heute ist nicht die Natur von gestern und nicht die Natur des letzten Jahrhunderts, als die ersten Naturkonstanten entdeckt und aufgestellt wurden. Und 'aufgestellt' ist ein richtiger Ausdruck, denn aufgestellt sind sie worden wie Säulen, die den Tempel der Wissenschaft tragen und als solche sollen sie stehen bleiben, bis der Zahn der Zeit sich an ihnen abgenagt hat, und selbst wenn er sich abgenagt hat und ihm neue Zähne gewachsen sind, sollen die Naturkonstanten unbeirrt und unverändert stehen bleiben.

Und so sind sie solider gebaut als die griechischen Tempel, die sich im Laufe der Zeit geneigt und ihre Säulen umgestoßen und sie dem Zahn der Zeit ausgesetzt und überlassen haben, und sind doch noch schön anzusehen für diejenigen, die sich nicht einbilden, sie müssten so sein und so geblieben sein wie zu der Zeit, als sie errichtet wurden.