Das All-Barmherzige in der Welt

Geschrieben von Super User. Veröffentlicht in Wissen und Glauben

Beginnen wir unsere Reise durch das Weltall mit einem Blick auf unsere Umgebung – wo immer wir gerade sein mögen. Wir sind in einer Umgebung, so viel ist sicher. Wir sind umgeben von Energie, die unsere Sinne als ‚solide’ wahrnehmen lassen. Da sind wir inmitten von etwas, das wir im Detail benennen können, und das ist ein ‚Wunder in sich’.

Damit will ich beginnen und unsere Reise fortsetzen in jene Sphären, die wir nicht sehen können, nicht hören können, nicht spüren können. Das mag uns zunächst irritieren, aber nicht lange. Denn wir sind darauf angewiesen, dass es in uns etwas gibt, was uns Stärke, Geduld und Barmherzigkeit empfinden lässt – das ist innen, ist in uns, ist sonst wo, aber nicht außerhalb von uns selbst. Wir nennen es schlicht das ‚Innere Selbst’. Nun gut.

Das ist so gut nicht, denn wir können es nicht objektivieren. Wir können niemandem beweisen, dass ein solches Etwas in uns ist. Könnte man meinen, doch es ist nicht so. Warum sollten wir nicht zeigen können, und das zumindest, dass wir über Stärke verfügen, das wir Geduld üben, und dass wir barmherzig sind oder es sein können, wenn wir es wollen? Und diese drei, die ich zu den Grundeigenschaften des Inneren (des) Menschen rechnen möchte, sind nur Beispiele und man möge sie stellvertretend für viele andere nehmen.

Damit habe ich gesagt, dass wir das, was in uns ist, in die Tat umsetzen können, irgendwie. Und doch so, dass es anderen Menschen auffallen kann, wenn sie belieben darauf zu achten. Doch das müssen sie nicht, und daher könnte man davon absehen, es objektiv zu nennen.

Andererseits könnte ich auch jeglichen Beweis, der sich vorstellen lässt, anführen für mein Inneres, und es würde ihn keiner annehmen oder für gültig halten, wenn er beliebt ihn zu missachten. Wir sind also bis zu einem gewissen Grad darauf angewiesen, dass Andere unsere Beweisführung annehmen und nachvollziehen wollen. Doch das ist ausschließlich ihre Sache und Angelegenheit, nicht die meine.

Warum sage ich so umständlich, was ich doch ganz anders auch und einfacher sagen könnte?

Nun, ich sage es so, weil ich es so in mir finde, jetzt, in diesem Augenblick. Und damit habe ich einen weiteren Beweis dafür geliefert, dass es in mir etwas gibt, was sich ausdrücken und so in die Welt bringen lässt. Das ist barmherzig noch nicht, aber es kann dazu werden.

Nun möchte ich fortfahren und begründen, warum ich mir das Barmherzige solchermaßen in den Mittelpunkt meiner Betrachtungen zu stellen. Mag sein, dass es dafür Gründe gibt, doch ich fürchte, dass ich auch hier darunter leiden werde, dass mir jemand die Gründe abnehmen und sie anerkennen muss, wenn ich sie als Gründe anerkannt sehen möchte.

Wir kommen also nicht umhin zu glauben, dass wir gewisse Fähigkeiten haben, die wir alle empfinden können, die wir aber nicht empfinden müssen. Und solche Fähigkeiten nennt man gemeinhin ‚die ethischen Grundsätze’ eines Menschen. Also das, was ihm im Grunde wichtig ist, so wichtig, dass er es nach außen bringen möchte, und zwar so, dass es erkannt und anerkannt wird. Oder sie bleiben in ihm und haben sich nicht völlig ausdrücken lassen, und das wäre schlecht.

Denn dann könnten wir zwar sagen, wir seien kraftvoll, geduldig und barmherzig – es merkt nur keiner. Und das käme uns selbst wie Heuchelei vor. Oder wie ein Aufgesetztes, das nicht wirklich ist, sondern nur auf inwendigen Vorgaben beruht, die wir geheim halten möchten. Oder wie ein Huhn, das sich selber rupft und in die Pfanne legt.

Wir haben es also mit etwas zu tun, was wir einer potentiellen Wahrnehmung anlasten müssen, und darauf möchte ich hinaus. Aber nicht nur, denn wenn wir nun draußen sind, könnten wir weiter überlegen, wie es dazu kommt, dass ‚es’ (also beispielsweise Stärke, Geduld und Barmherzigkeit) in uns allen angelegt ist. Denn das will ich wohl sagen und ausdrücken mit dem Wort ‚potentiell’. Und dass es nur dann real werden kann, wenn es auch in unserer Wahrnehmung auftauchen kann, das versteht sich von selbst.

Damit sind wir nun ein Stück weiter, denn wir haben gesehen, dass etwas in uns, das wir nicht weiter bezeichnen können (oder möchten), einen Anteil hat in allen Menschen. Das zumindest, doch wir wollen oder können nicht ausschließen, dass es auch in anderen Subjekten enthalten ist. Und wenn wir nun noch einen Schritt weitergehen, sind wir bei dem angekommen, was ich mir als Ziel vorgestellt habe: wir können nicht ausschließen, und wollen es vielleicht auch nicht, dass es in Allem ist.

Das, was in allem ist, möchte ich All-Es nennen. Oder in der Kurzschreibweise, die wir gewohnt sind, „Alles“.

Damit habe ich nun Alles definiert, also bestimmbar gemacht, aber nicht so, wie man es gewohnt ist. Denn am Anfang habe ich gesagt, und dafür sprechen die Beispiele, dass es nicht nur auf das beschränkt sein kann, was unsere Sinne auf alle Fälle wahrnehmen können, sondern auch anwendbar ist auf das, was in uns ist, was wir aber weder sehen noch hören noch spüren können. Und was wir doch nach außen bringen und in die Wahrnehmung rücken können, wenn wir es wollen.

Damit ist auch der Wille definiert als ein etwas, das unsere Freiheit einschränkt und leitet. Denn sobald ich etwas will, verzichte ich auf die Freiheit, es nicht zu wollen, weil ich mich in dieser Weise oder auch Richtung entschieden habe. Freiheit ist also nicht, sich nichts vorzunehmen, sondern das Gegenteil. Das bedeutet in etwa, sich alle Optionen (Wahlmöglichkeiten) offen zu halten. Wer sich aber alle Optionen offen halten will, hat nichts getan, das ihm zeigen könnte, dass er frei ist. Er könnte wiederum sich nur vormachen, er habe die Freiheit, dies oder das zu tun, da er aber nichts tut, kann er es nicht ins Außen bringen und also auch nicht bemerkbar machen. Ich lebe also in der Freiheit nur dann, wenn ich mich hin und wieder entscheide, und zwar so, dass es andere wahrnehmen können.

Das ist nun eine Stufe schwieriger als es unsere ersten Beispiele waren, denn wir können nicht darauf bauen, dass andere unser Freisein erkennen, selbst wenn sie unsere Handlungen wahrnehmen und kritisch beäugen mögen. Das kommt daher, dass wir unsere Definition nicht mehr in dem allein rechtfertigen können, was wir tun – es könnte ja eine Zwangshandlung sein -, sondern auch in dem, was wir nicht tun.

Das ist nun nicht erhebend und ich möchte daher noch ein anderes Beispiel machen, das uns die Verbindung von Willen und Freiheit demonstrieren kann.

Nehmen wir an, ich befinde mich auf dem Mond, und keiner weiß es. Ich weiß es wohl selber, aber ich habe keine Möglichkeit, es anderen mitzuteilen. Was kann ich tun, um anderen Menschen zu beweisen, dass ich auf dem Mond bin? Ich fürchte, ich kann nichts tun, das mir garantiert, als Beweis abgenommen zu werden. Mit anderen Worten, ich bin auf den Glauben und das Vertrauen meiner Mitmenschen angewiesen.

In diesem Fall würde es also nicht genügen, dass ich um die Aufmerksamkeit (einiger) meiner Mitmenschen bitte. Es würde auch nicht genügen, dass ich wohlwollend prüfen, was sie in Augenschein nehmen – denn sie können mich nicht in Augenschein nehmen, wenn ich auf dem Mond bin. Es braucht also etwas, das darüber hinausgeht – man muss mir glauben.

Das sage ich nun mit Bedacht, denn es scheint so, als sei es das Selbstverständlichste auf der Welt, dass man einen Glauben besitzt. Oder die Fähigkeit zu glauben, besser gesagt. Ich kann daher auch meinen Glauben nur beweisen, indem ich ihn in Handlungen demonstriere. Und selbst dann hätte ich sicher Probleme, meine Handlungen so zu gestalten, dass sie als Beweis für meinen Glauben angesehen werden können.

Das heißt nun praktisch, dass ich im Vertrauen darauf, dass man mir glaubt, sagen könnte „Ich war auf dem Mond.“ Das ist nun viel verlangt, dass man mir das glaubt. Denn wir wissen in etwa, welche Astronauten auf dem Mond waren, und mir würde man sicher nicht abnehmen, dass ich zu diesen Astronauten gehöre. Es sei denn, ich könnte das wenigstens beweisen.

Das ist nun auch nicht erhebend, aber es könnte inzwischen klar geworden sein, dass es nicht im ES und auch nicht im All-Es ist, dass ich auf dem Mond war – weil ich wirklich nicht auf dem Mond gewesen bin, es sei denn in Gedanken.

Da fragt sich nun, ob das nicht ausreicht, in Gedanken auf dem Mond gewesen zu sein, um alle Zweifler und Skeptiker zu überzeugen. Ich fürchte, dass es nicht ausreicht. Denn ES ist nicht so gemacht, dass es ausreicht, an den Mond intensiv zu denken, um als Mondfahrer anerkannt zu werden. Es werden die Menschen schon erkennen, dass ich es nicht gewesen sein kann.

Es ist also ein Gegenstand – nicht. Ein Sachverhalt? Ja, aber schon …

Aber schon ist es uns wieder entglitten, denn wie es sich damit verhält, dass ich auf dem Mond war, ist nicht gesagt, wenn ich es mir nur vorstelle.

Ich spreche also im Augenblick darüber, was wir (gegenwärtig) als real ansehen und versuche so eine Art ‚Grenze’ zu finden, die das Reale vom Unrealen trennt. Ich suche die Grenze im ES, wie es Freud genannt hat, doch ich will etwas anderes darunter verstehen als jener große Lehrmeister der Psychoanalyse.

Es ist also wohl eine Grenze zu finden, die nicht im Gegenständlichen sein kann. Aber doch …

Aber doch ist sie im Gegenständlichen, denn wenn ich wirklich auf dem Mond war, so ist das ES ein ganz anderes, als wenn ich mir nur vorstelle, ich sei auf dem Mond gewesen.

Nun wollen wir dieses dumme Beispiel beiseite lassen und von etwas anderem sprechen, das es uns ermöglichen soll, das ES sichtbar zu machen. Das stelle ich mir folgendermaßen vor.

Ich bin im Es und Du bist im Es und wir sind im Es … weil das Es in uns allen ist, weil es ein Teil von uns allen ist. Und wenn es in uns allen ist, dann ist es All-Es, und wir können es als real betrachten. Oder auch nicht, denn wir sind heutzutage wählerisch, und mehr als früher. Wir möchten es anfassen können. Oder zumindest messen können. Denn wir können heutzutage Dinge messen, die man nicht anfassen kann. Allerdings können wir auch Dinge anfassen, die man nicht messen kann. Beispielsweise, wie sich eine Rosenblüte anfühlt.

Wir sind also darauf angewiesen, eine gemeinschaftliche Ansicht über das herzustellen, was man jedem Menschen zumuten kann zu glauben. Das schränkt die Realität im ES ein auf das, was wir heutzutage als real ansehen – beispielsweise das, was man in einem Labor messen kann. Und natürlich das, was man mit den normalen Sinnen erfassen kann, aber das versteht sich von selbst.