Das Allgewaltige im menschlichen Herzen

Geschrieben von Super User. Veröffentlicht in Wissen und Glauben

Ein Welt-Text über das Innerste Selbst

Ich versuche mir hier also in Gedanken über das Innerste Selbst, und ich gebe zu bedenken, dass Aussagen über die tiefsten Tiefen, die menschliches Erkennen zu erreichen vermag, notwendigerweise verzerrt sind - es sein müssen, wenn man die Struktur unserer Welt, wie sie sich in unserem Denken abbildet, als eines Raum-Zeit-Systems in Betracht zieht.

Dennoch will ich mich nicht scheuen, wenigstens einen Versuch zu machen, da wir in unseren Gedanken ohnehin weit über das hinausgreifen, was uns unser Bewusstsein als wünschenswert und verständlich erscheinen lässt – und beides. Das ist nun einmal so, ich habe es nicht erfunden, sondern in mir entdeckt.

Das Innerste unseres Wesens ist nicht im Zeitlichen. Es ist im Unzeitlichen nicht, und damit habe ich schon alles gesagt. Zumindest habe ich eine Andeutung gemacht, in welche Richtung wir streben müssten, wenn wir Auskunft über das erheischen, was uns nicht unmittelbar ‚angebunden’ ist. (Das ist eine Formel, die ich gleich erklären werde.)

Bedenken wir zunächst folgendes – und hier beziehe ich mich auf das Bild, das ich in anderen Texten schon verwendet habe (siehe dazu die Graphik am Ende des Textes):

  1. In unserem Wachbewusstsein sind wir auf das beschränkt, was uns die Äußeren Sinne als Welt vermitteln. Das schließt nicht nur das Sinnlich Erfahrbare ein, es umfasst auch alle Gedanken, Ideen, Konzepte, Schlussfolgerungen, die unser Verstand im Umgang mit der ‚Welt als solcher’ zu handhaben gelernt hat. Das ist ein gewaltiger Stoff, eine Unmenge von Daten und eine unüberschaubare Anzahl möglicher Verknüpfungen (die wir auch Konnotationen nennen). Damit habe ich anzudeuten versucht, was Menschen zu einer Zeit denken, was sie an Geschichte für sich in Anspruch nehmen und als mögliche Zukunft präjudizieren.
  2. Darüber hinaus – und ich meine ‚darüber’ – reicht der unermessliche Bereich des ‚Unbewussten’, der all das umfassen mag (hier muss ich undeutlich werden!), was sich ins menschliche Denken nicht umsetzen oder konkretisieren lässt. Das ist der größte ‚Teil’ unserer Gefühle, Ahnungen und Träume. In dem Begriff des ‚Träumenden Selbst’ habe ich anzudeuten versucht, welch unermessliche Dimension in uns ‚schlummert’ (von unserem Wachbewusstsein aus gesehen) – oder wach ist, wenn man es richtig bedenkt. Und ‚wach sein’ heißt hier wörtlich, Wirkungen hervorruft, die wir in ihrem Werdegang in unseren Träumen nur unvollständig erfassen können, und das ist schon stark untertrieben. Eigentlich sind wir noch nicht in der Lage zu erkennen, wie wir die Erscheinungswelt auf einer ‚Ebene’ hervorbringen, die uns nahezu verschlossen ist. Das heißt nun nicht, dass sie wirklich verschlossen ist, denn wir könnten sie sehr wohl betreten und dort Erkenntnisse sammeln, wenn wir es nur für möglich hielten – und uns dieses zu ermöglichen, bemühe ich mich nach Kräften in meinen Texten und Büchern.
  3. Hätten wir nun so weit begriffen, dass wir um ein Vielfältiges größer sind als uns die Sinne dieser Welt (unsere eingeschlossen) vermitteln, und damit meine ich auch alles, was wir nur vom Hörensagen kennen (was manche auch das ‚kollektive Unbewusste’ nennen), dann könnten wir uns an die Aufgabe wagen, einen Blick auf das ‚Innere Selbst’ zu werfen. Das entspricht etwa dem Versuch, sich sehenden Auges auf die Sonne zuzubewegen, und das würde kein Mensch wagen, der bei Sinnen ist – mich eingeschlossen. Weil das so unmöglich ist, und auch die größten Propheten aller Zeiten nur in undeutlichen Tönen von einem ‚unerträglich gleißenden Licht’ sprachen, können wir einen solchen Versuch nur beginnen, wenn uns das Innere Selbst (und ich meine ‚Innere’ – nicht das INNERSTE!) dabei zu Hilfe kommt und uns eine ‚geschwärzte Scheibe’ schickt, wie wir sie benutzen, wenn wir eine Sonnenfinsternis beobachten wollen. Doch das ist wirklich ein schwaches Beispiel, und ich maße mir nicht an, mir das Pendant zu einer ‚geschwärzten Scheibe’ im Unbewussten auch nur annähernd vorstellen zu wollen. Dennoch habe ich in der Vergangenheit erfahren, dass es in uns so genannte ‚Vermittler’ gibt, die uns einen ‚Eindruck’ von dem ‚herüber reichen’ können, was unserem (inneren) Auge zu sehen völlig unmöglich ist. Diese Vermittler sind im ‚Unzeitlichen beheimatet’ – ich bediene mich hier bewusst einer Formelsprache! – und lenken uns in unserem menschlichen Bemühen, ein ‚fruchtbares und allen wohlgefälliges’ Leben zu führen. Was uns diese Vermittler an Eindrücken ‚herunter transformieren’ ist so stark noch immer, dass ich kein Verlangen verspüre, es allzu oft zu erfahren. Ich fürchte, dass so mancher, der es dennoch versuchte und sich dabei über ‚gewisse Grenzen’ (ich weiß nichts darüber, Gott sei Dank!) wagte, zu denen gehört, die in unseren Psychiatrischen Anstalten die Therapeuten zur Verzweiflung bringt. An dieser Stelle möchte ich mich jenen Mahnern anschließen, die vor allzu kühnen Versuchen, in dieser Richtung zu forschen, eindringlich warnen – und dabei zähle ich mich allenfalls zu den Kühnen und beherzige meine eigene Mahnungen, wenn auch nicht immer.
  4. Was nun folgt, kann ich nur noch symbolisch auszudrücken versuchen, weil sich Konkretes nicht denken lässt, weil ich selber Konkretes nicht weiß, und weil ich dennoch etwas mitteilen möchte, was in allen esoterischen Schriften in irgendeiner Weise verschlüsselt wiedergegeben wird. Dabei habe ich nicht den Ehrgeiz, es besser als unsere Vorfahren aus allen Kulturen zu machen, sondern begnüge mich mit ganz bescheidenen Aussagen, die dem einen oder anderen einen Hinweis geben mögen, um welche Größenordnung es hier gehen mag. So will ich nur, und wieder einmal mehr, vorausschicken, dass ‚es nicht in den Worten ist’. Ich spreche noch immer vom ‚Innersten Selbst’ als dem Undenkbaren und Unnennbaren, das doch in uns allen ist und ist und ist …

Bei hinreichender ‚Selbstspiegelung’ könnten wir uns einen Eindruck davon verschaffen, wovon jetzt die Rede ist. Mit ‚Selbstspiegelung’ meine ich eine Analogie zu jenem einfachen Experiment, das ich in dem Buch ‚Ganzheitlich Systemische Bioenergetik’ beschrieben habe. Man stelle zwei Spiegel einander so gegenüber, dass man noch einen Blick in einen von ihnen werfen kann – also fast parallel, aber nicht ganz. Man sieht dann einen Spiegel im Spiegel im Spiegel und so fort. Stellt man sich nun vor, dass jeder Spiegel ein Vergrößerungsspiegel ist (praktisch geht das nicht mehr!), so hat man eine Vorstellung davon, was bei fortgesetzter ‚Spiegelung in sich’ herauskommen mag – ein unendlich großer Spiegel, der alle Größenordnungen sprengt, die ‚Ausdehnung’ des uns bekannten Universums eingeschlossen.

Wie gesagt, das ist eine äußerste dürftige Analogie, die ich sogleich korrigieren werde. Denn wir müssten nun versuchen, die ‚räumliche’ Dimension in eine ‚Qualitätsdimension’ zu übertragen und kämen so der Wirklichkeit ein wenig näher. Und mit Qualität meine ich alles, was uns bei dem Wort Qualität einfallen mag – die Tiefe unserer Gedanken, die Schönheit unserer Künste, die Liebe unserer Kinder, die … bitte fahren Sie selber fort, mir gehen die Worte aus. Es ist, kurz gesagt, das ‚Gute im Unendlich Guten’. (Wer nun nach dem ‚Bösen’ fragt, möge sich noch einen Moment gedulden!).

Ich möchte noch ein anderes Beispiel machen. Stellen wir uns vor, wir (also ich zum Beispiel) seien so groß wie die Erde und würden uns in stetem Umlauf um die Sonne bewegen. Das wären wir in höchster Vollendung – in Wirklichkeit sind wir aber (gegenwärtig) nur ein Stein auf dieser Erde, vielleicht gar ein Fels, mehr aber nicht. Stellen wir uns dann vor, die Sonne wäre wie das INNERE SELBST, das sich in Entwicklung befindet und bestrebt ist, ‚eines Tages’ so zu werden wie die Milchstraße, der es angehört. Dann ‚wäre’ das INNERSTE Selbst das Universum, das alle Milchstraßen umfasst und auf dem Weg ist, eines Tages alle möglichen Universen hervorzubringen, von denen ES heute noch keine Ahnung hat – wir schon gar nicht.

Wie gesagt, das ist auch wieder nur ein Beispiel, und ein dürftiges sowieso. Wer nun seiner Phantasie freien Lauf lässt, kann sich noch einige Beispiele dazu denken, doch mehr als ich jetzt angedeutet habe, wird er oder sie in Gedanken wohl kaum fassen können. Wer darüber hinaus möchte, muss sich notwendigerweise auf jene Wege wagen, die von den Mystikern aller Zeiten beschritten worden sind, und von denen sie uns nur in dürftigen Worten, allenfalls, haben berichten können. Zu diesen rechne ich mich nicht und kann daher niemandem weiterhelfen, der sich um Kenntnisse über das INNERSTE SELBST bemühen möchte.

Nun mag so mancher fragen, wo er oder sie in diesen Beispielen wohl sein ‚Gottesbild’ ansiedeln soll. Diese Frage wage ich nicht zu beantworten, weil sie eine persönliche Frage ist und keine allgemeine Antwort duldet.

Dennoch hoffe ich, dass es mir gelungen ist, in den Lesern eine Andeutung von dem zu machen, was sich hinter dem schlichten Begriff ‚das Innerste Selbst’ verbergen mag. Wir nennen es in anderen Worten ‚das Allgewaltige’ - und das ist mehr als das Allgegenwärtige oder das Allumfassende, denn das ist im Inneren Selbst wohl inbegriffen.

Über das Allgewaltige habe ich mich an anderer Stelle schon geäußert (in dem Buch ‚Heilung kommt von Innen’) und will hier nur kurz wiederholen, was ich mir so denke.

Ich meine zu erkennen, das in uns ein Kern im Kern ist, der uns mit ALLEM verbindet. Man mag ihn den ‚Göttlichen Funken’ nennen oder anderswie, es ist nicht in den Worten. Es ist ein Streben in uns eingepflanzt, das uns dazu drängt, das zu werden, was unser aller Schöpfer (und dessen Schöpfer) auch geworden ist. Dieses Streben ist so umfassend, dass wir es nicht ertragen könnten, wenn es sich voll entfalten würde – es hätte eine Sprengkraft, die die Welt zerreißen würde.

Eine Spur davon haben wir Deutschen erlebt – zumindest aber unsere Eltern oder Großeltern – als sich ein Drittes Reich in Deutschland etabliert hat, das sich in einer unfassbaren Selbstübersteigerung daran machte, die Welt zu verändern und ein ‚Tausendjähriges Reich’ zu schaffen. Man mag es Größenwahn nennen oder sonst wie, es ist nicht in den Worten. Hier haben Menschen versucht, dem Allgewaltigen auf die Spur zu kommen und etwas davon ins Dasein zu bringen, was ihnen wie eine ‚allgewaltige Vision’ erschienen sein mag. Gewaltig war sie wohl, als gewalt-tätig hat sie sich erwiesen, und mehr brauche ich darüber nicht zu sagen.

Andere Spuren dieses Strebens nach dem Allgewaltigen entdecke ich auch in der Welt unserer Gegenwart, und möchte nur in Andeutungen darauf hinweisen, um niemanden zu verunglimpfen. Ich rechne dazu Versuche, die Erbanlagen des Menschen zu manipulieren. Ich rechne dazu Versuche, den Menschen vorzuschreiben, auf welche Weise sie glücklich werden müssen. Ich rechne dazu auch alle Versuche, durch Angst und Schrecken andere Menschen zu belehren oder zu bekehren. Ich rechne dazu auch jene Versuche, die uns die Militärmaschinerie in allen Ländern beschert haben – als ein notwendiges Übel oder eine segensreiche Einrichtung, denn auch hier gibt es gewaltige Unterschiede.

Ich will, wie gesagt, niemanden persönlich ansprechen und niemandem unterstellen, dass er sich bewusst in jene Sphäre des Allgewaltigen vorwagt und sie in die Welt bringen will – ich spreche nur von einem Streben in uns, das man früher als wahrhaft ‚dämonisch’ bezeichnet hätte. Das Streben selbst ist wahrhaft göttlich in seinem Ursprung und ist es in seinem Kern – und das möge jeder bedenken, der sich dem Bösen entgegenstellen will.

Es ist unser aller Schicksal als Mensch, das Allgewaltige oder auch das Allmächtige nicht begreifen zu können. Und es ist wohl unsere Aufgabe zu lernen, dass wir es besser dort belassen, wo es gut und geborgen ist – in unserem innersten Kern.