Materie im Vergänglichen

Geschrieben von Super User. Veröffentlicht in Wissen und Glauben

Das materielle Universum, das uns als ‚Bild der Welt schlechthin’ erscheint, ist eine Gedankenkonstruktion (‚idea construction’), sagt Seth in den Büchern, die von Jane Roberts verfasst worden sind. Mit dieser Auffassung von Materie und Welt möchte ich mich in diesem Kapitel beschäftigen.

Was wissen wir von Materie heute? Diese Frage ist an die Physiker unter den Wissenschaftlern zu richten, wenn wir uns den Gepflogenheiten unserer heutigen Zeit anschließen. Das möchte ich tun und dann darüber hinaus gehen.

Materie ist für uns eine Ansammlung von Atomen, die sich zu größeren Verbänden zusammenschließen. Das tun alle Atome mit Ausnahme der Edelgase. Diese können ‚für sich sein’. Anders gesagt, Atome gelten als mikroskopische Bestandteile der Materie, aus denen sich Stoffe unterschiedlichster Art zusammensetzen: Metalle ebenso wie Steine, menschliche Körper ebenso wie Sterne. Wir glauben, dass es keine andere Art von Materie gibt als die, die man im Labor untersuchen kann. Deshalb bedienen sich Biologen und Mediziner ebenso der gängigen physikalischen Vorstellungen über die Materie wie die Astronomen und die Astronauten. Das Erstaunliche an diesen Vorstellungen ist, dass sie nicht hinterfragt werden. Man tut einfach so, als sei dies klar und es könne nicht anders sein als so.

Andererseits könnten wir wegen der heute geltenden Paradigmen der Naturwissenschaft kaum auf andere Gedanken kommen – und falls doch, könnten wir sie nicht beweisen. Weil wir nur solche Beweise gelten lassen, die mit den gültigen Paradigmen übereinstimmen. Zu diesen gehören immer noch die Grundannahmen, die auf Galileo Galilei zurückgehen: Eine Theorie muss im Experiment geprüft werden. Sie ist nur dann zu akzeptieren, wenn Experimente an allen Orten und zu allen Zeiten diese Theorie bestätigen. Das ist das Kriterium für Allgemeingültigkeit. Falls es erfüllt ist, wird die Theorie akzeptiert und für alle Naturwissenschaftler als verbindlich deklariert.

Das läuft praktisch darauf hinaus, dass ein Ergebnis ‚messbar’ sein muss. Unsere Vorstellungen von einer gültigen Messung legen fest, dass diese nur mit einem ‚geeichten Maßstab’ vorgenommen werden kann. Damit die Bedingung der Allgemeingültigkeit – auch Objektivität genannt – erfüllt werden kann. ‚Geeichte Maßstäbe’ sind Messgeräte mit der besonderen Auflage, dass sie bei a) allgemein akzeptierte Messmethoden verwendet werden können und b) als kleinste Einheit einer Messung den internationalen Standards genügt.

Das ist etwas pauschal ausgedrückt, aber ich möchte verständlich bleiben.

Entscheidend ist nun, dass diese naturwissenschaftliche Methodik ausschließlich für ‚tote’ Materie gilt. Das ist nun ein Kreisschluss, denn wir kennen in der Naturwissenschaft nur ‚tote Materie’. Anders gesagt, nach der naturwissenschaftlichen Denkweise sind die Bausteine jeglicher Materie nicht mit der Eigenschaft ‚Leben’ versehen. Wenn wir also bei makroskopischen Körpern feststellen, dass sie leben – und auch dafür gibt es wissenschaftliche Kriterien – dann kann die Eigenschaft ‚Leben’ nur durch eine irgendwie geartete und noch nicht verstandene Kombination von ‚toten’ Bausteinen entstanden sein.

Daraus ergeben sich einige Konsequenzen, die ich nur als unglücklich bezeichnen kann. Dazu gehört die Auffassung, dass man gültige Aussagen über die Materie (die dann als wissenschaftlich gelten) nur mit Messmethoden erhalten kann, die den Paradigmen der Physik entsprechen. Das gilt in zunehmenden Maß auch für die Biowissenschaften, insbesondere für die Molekularbiologie.

Tote Materie hat aber nach dieser Auffassung weder Leben noch Bewusstsein. Für uns Menschen ist aber gerade das ‚bewusste Leben’ die Anfang und Ende unseres Selbstverständnisses. Wir geraten daher mit dieser Art von ‚wissenschaftlichem Denken’ in unlösbare Widersprüche. Und nicht nur das, wir negieren das, was uns Menschen auszeichnet. Wir reduzieren geradezu den Menschen (von Tieren ganz zu schweigen) auf jene Funktionen oder Qualitäten, die wir als ‚messbar’ ansehen – messbar nach den bekannten Kriterien. Das entspricht annähernd der Vorgehensweise in anderen Bereichen, wenn man ein lebendes Individuum auf eine Nummer reduziert – und das geschah nicht nur in Konzentrationslagern und Zuchthäusern, es geschieht auch noch in modernen Verwaltungsbetrieben.

Zu den unglücklichen Konsequenzen gehört, dass wir damit ‚von Anfang an’ – das heißt, von den Grundannahmen her – nicht nur die geistigen Qualitäten des Menschen vernachlässigen, sondern auch seine ethischen. Wer sich dann noch wundert, dass wir einen zunehmenden ‚Werteverlust’ beobachten müssen, sollte sich an die Wissenschaftler wenden und sie bitten, ihr Weltbild zu hinterfragen. Oder an die Medien, die so ungeniert dieses Weltbild in die Öffentlichkeit tragen.

Wie aber könnten wir diesem Dilemma entgehen. Ich möchte zwei Vorschläge machen, die einen Physiker nicht überfordern und auch nicht ‚brotlos’ machen, erstens. Und die uns zweitens ein Bild von Materie schöpfen lassen, das unserem Bedürfnis nach einer lebendigen Welt mit Lebensqualität besser entspricht.

1. Vorschlag

Wir gehen von dem gängigen Weltbild der Physik aus und nehmen an, dass die elementaren Bestandteile der Materie kein Leben im üblichen Sinn tragen. Wir schließen uns weiterhin der Auffassung der Modernen Physik an, dass diese elementaren Bausteine ‚kommen und gehen’, dass sie als eine sehr kurze Lebensdauer haben. Möglicherweise kürzer, als wir sie bisher annehmen und akzeptieren. Das ist kein schwerwiegender Eingriff, weil wir schon lange vor Entstehen der eigentlichen Quantenmechanik die Annahme akzeptierten, dass wir die Identität von elementaren Bausteinen nicht feststellen können. Anders gesagt, wenn wir zwei mal hinschauen, können wir nicht wissen, ob wir noch den gleichen Baustein vor uns haben oder seinen ‚Zwillingsbruder’, bildlich gesprochen. Man sprach bei der Entwicklung der Quantenstatistik im Neunzehnten Jahrhundert deshalb von der ‚Ununterscheidbarkeit von (elementaren) Teilchen. Genau genommen, führt uns diese These auf ein schwerwiegendes philosophisches Problem, das die Physik umgangen hat, weil mit der neuen Annahme der Ununterscheidbarkeit die Ergebnisse der vorliegenden Experimente (es ging um die Lichtforschung!) theoretisch gedeutet werden konnten. Nun gut. Wir halten uns daran – oder bleiben einstweilen dabei.

In meinen Worten ausgedrückt, lautet die These jetzt so: Elementare Bausteine – oder Elementarteilchen – kommen in unser Raum-Zeit-System und verschwinden wieder. Es handelt sich dabei um rasch pulsierende (‚flackernde’) Lichter, die wir als ‚materiell’ erkennen können. Wiederum nach den gängigen Kriterien.

Beispielsweise verstehen wir heute Atome, die einstens als ‚unteilbar’ galten (daher der Name!) als eine geschickte Synthese von Elementarteilchen wie Protonen und Neutronen. Diese wiederum könnten sich aus noch kleineren Elementarteilchen zusammensetzen – doch welche diese auch sein mögen, sie sind kurzlebig. Was aber beständig ist, das ist der Bauplan, in den sie (die flüchtigen Elementarteilchen) eintreten. Damit haben wir den entscheidenden Begriff eingeführt, um den es uns nun gehen muss.

Nehmen wir den Bauplan eines Atoms. Wir akzeptieren heute folgendes Bild: Ein Atom besteht aus einem Kern, der nahezu die gesamte Masse enthält, und aus einer Hülle, in der sich die Elektronen befinden. Der Kern ist positiv geladen und enthält ebenso viele Ladungseinheiten wie die Elektronenhülle, die negativ geladen ist. Was immer nun der Bauplan eines Atoms sein mag, wichtig ist die neue Annahme, dass er lebendig ist und Bewusstsein hat. Oder, bioenergetisch formuliert: der Bauplan ist ein lebendiges Wesen.

Damit haben wir bereits den entscheidenden Schritt getan, der uns aus dem obengenanten Dilemma herausführen kann. Weil es so wichtig ist, will ich es noch einmal formulieren.

Jede Form ist nur als lebendige Form denkbar. Oder noch einmal gesagt: Eine Form kann nicht tot sein und mit lebendem Inhalt gefüllt werden. So, als würde man eine lebendige Katze in einen toten Sack sperren.

Wir können aber eine lebendige Form mit Materie füllen. Genau genommen, können wir das nicht, denn das macht sie selbst, wenn sie es will. Da wir die Materie in ihren elementaren Bausteinen als extrem kurzlebig annehmen, stellt sich die Frage, ob diese Elementarteilchen lebendig sind, erst gar nicht. Materie befindet sich also in einem extrem lebendigen Austausch mit sich selbst. Dieser Austausch findet innerhalb einer lebendigen Form statt und muss daher die Qualität der Form annehmen – ist also lebendig. Oder lebhaft. Oder dynamisch. Das ist jetzt nicht mehr so wichtig. Weil wir das Problem ‚lebendig oder nicht’ von der Materie auf die Form verlagert haben.

Bevor wir diesen Gedanken weiter folgen, will ich noch meinen zweiten Vorschlag unterbreiten, also eine Alternative zum ersten Vorschlag anbieten. Der lautet dann, verkürzt, so:

2. Vorschlag

Wir nehmen an, dass jedes Elementarteilchen eine minimale lebendige und bewusste Einheit darstellt, in der sich Energie in dieses Raum-Zeit-System hinein begeben kann. Danach hätte also jedes Elementarteilchen ein vollbewusstes Eigenleben – und ist selbst in der Lage, Formen nach inhärenten Plänen zu bilden. Und nicht nur das, es entspricht geradezu einem inneren Bedürfnis oder Antrieb (nach Jane Roberts/Seth: Werterfüllung), sich in Formen zu organisieren.

Auch an diesem Gedanken wollen wir zu gegebener Zeit weiterarbeiten. Ich neige dazu, beide Vorschläge zu kombinieren, wobei mir für die meisten Probleme unserer Zeit das Elementarteilchenproblem als zweitrangig erscheint. Weit wichtiger finde ich den im ersten Vorschlag geäußerten Gedanken einer ‚lebendigen Form’.

Nun dürften alle Physiker auf den Barrikaden ihrer Selbstbehauptung sein, wenn sie diese Sätze lesen. Das scheint allem zu widersprechen, was ein Physiker bisher gelernt hat. Dann wäre also ein Atom, das doch zweifelsfrei eine Form im obigen Sinn darstellt, als lebendig zu bezeichnen! Und noch dazu als bewusst? Wo kämen wir dahin?!

Das will ich sagen, wenn auch in einigen Schritten, also der Reihe nach. Das Ziel jedenfalls ist klar: wir brauchen eine andere Auffassung von Materie, wenn wir unsere Welt nicht in einen ‚toten Planeten’ verwandeln wollen. Ich schlage als Lösung vor, dass wir der Materie das lassen, was sie immer hatte – Leben und Bewusstsein. Und versuchen, von unserer gängigen Naturwissenschaft so viel wie möglich zu retten. Und wenn jetzt ein Physiker sagt: „Was geht mich der Planet an, wenn nur meine geliebten Theorien erhalten bleiben!“. Ja, was dann? Wir könnten dann zurückfragen, auf welchem Planeten er dann künftig seine Theorien vor der endgültigen Vernichtung bewahren will.

Nun könnten wir noch einen Schritt weitergehen und ein weiters Schisma auflösen, das uns schon lange quält, und nicht nur uns Menschen, es quält auch die Tiere und die Pflanzen. Wir könnten fragen, warum wir die Spaltung von Leben und Bewusstsein aufrechterhalten wollen. Wollen wir es denn? Welche Beweise haben wir dafür, dass nicht jedes Lebewesen dieser Erde auch Bewusstsein hat? Zugegeben, die Art des Bewusstseins kann so unterschiedlich sein, dass wir es nicht mehr als Bewusstsein erkennen können. Ich kann mir die Art des Bewusstseins bei einer Spinne oder bei einer Schnecke auch nicht vorstellen. Oder bei einem Baum, einer Rose, oder bei Algen und Bakterien. Aber müssen wir ihnen, diesen uns so fremden Lebensformen, deshalb jegliche Art von Bewusstsein absprechen?

Ich sage, wir müssen es nicht. Und wir sollten es sein lassen. Das Bewusstsein bei jeglicher Lebensform. Es ist letztlich keine wissenschaftliche Frage, sondern eine Frage der Ethik, die wir haben wollen.

Das führt uns in letzter Konsequenz dahin, dass wir die Ethik nicht mehr aus dem wissenschaftlichen Denken eliminieren können. Das heißt, dass wir nicht von Wissenschaftlern verlangen, dass sie eine Ethiklose Wissenschaft betreiben – selbst aber ihren Ethos hochhalten. Beseitigen wir also das dritte Schisma, das sich die neuzeitliche Wissenschaft auferlegt hat.

Zusammengefasst heißt dies:

  1. Wir geben das erste Schisma auf und teilen nicht weiter Materie in solche, die lebt und solche, die tot ist.
  2. Wir geben das zweite Schisma auf und teilen nicht weiter die Lebewesen in solche, die bewusst sind und solche, die es nicht sind.
  3. Wir geben das dritte Schisma auf und lassen jeder Wissenschaft das Ethische als Bestandteil ihrer Methodik.

Damit habe ich nun den Weg vorgezeichnet, wie ich mir eine neuzeitliche Naturwissenschaft vorstellen könnte. Und diese Vorstellungen sind so neu nicht, denn sie werden in anderer Form schon lange propagiert. Beispielsweise mit der Vorstellung von einer Erde, die im Ganzen lebt. (Siehe beispielsweise die Gaia-Hypothese). Und im Ganzen heißt, dass sie auch in ihren Teilen lebt. In allen ihren Teilen, ohne Ausnahme. Es gibt keinen leblosen Raum zwischen lebendigen Teilen. Das eben war der unerträgliche Widerspruch, in den die moderne Naturwissenschaft hineingeführt hat.

Wenn wir also etwas teilen, das lebt, dann verändern wir zweifellos die lebendige Form – beispielsweise wenn wir ein Lebewesen ‚töten’ – aber eliminieren auch die Form? Kann eine lebendige Form zerstört werden?

Das geschieht doch dauernd, irgendwo. Eine Tasse geht zu Bruch, unser Auto wird zum Wrack. Menschen werden alt und sterben. Alles Leben ist vergänglich, sagt man. Das lehrt uns der Augenschein, und zwar zweifelsfrei. Wohin wir auch blicken, es gibt keine materielle Form, die unendlich lange lebt. Auch die Form, so scheint es, kommt und geht.

Nun sind wir an einem weiteren entscheidenden Punkt angelangt. Denn wir müssen nun fragen, woher die (lebendigen) Formen kommen, die wir beobachten – und wohin sie gehen, wenn sie zerstört werden oder altern und sterben. Diese Frage müssen wir stellen, und zwar um unserer selbst willen. Es ist die uralte Frage nach Zeit, Vergänglichkeit und Ewigkeit.

Dieser Frage gehen wir im nächsten Kapitel nach.