Die Natur in uns

Geschrieben von Super User. Veröffentlicht in Wissen und Glauben

Es ist eine Binsenweisheit, und seit langem bekannt, dass der Mensch nicht außerhalb der Natur steht, sondern ein Teil von ihr ist. Das betrifft unbestritten den menschlichen Körper oder Organismus, auch wenn wir immer mehr dazu streben, Teile dieses Körpers durch ‚bessere’ technische Konstrukte zu ersetzen, von denen wir glauben, dass sie dem Natürlich-Gewachsenen überlegen sind. Einige Beispiele dafür sind geläufig, und ich nenne stellvertretend nur die üblichen Zahnersatz-Produkte, die Gelenk-Prothesen, die künstlichen Herzklappen oder den Herzschrittmacher. Vor allem letzterer könnte uns darüber belehren, was wir eigentlich anstreben, wenn wir die gewordene Natur in uns korrigieren (und verbessern!) wollen: ein Rhythmusgeber wird eingepflanzt, der den menschlichen Willen repräsentiert, die natürlichen Rhythmen zu umgehen und ‚Eigenwilliges’ an ihre Stelle zu setzen.

Doch eben jene natürlichen Rhythmen, von denen ich die Tag-Nacht-Rhythmen herausgreifen möchte, sind uns ‚eingepflanzt’ und wir können sie nicht über längere Zeiträume verleugnen, wenn wir nicht Schaden an unserer Gesundheit nehmen wollen. So benötigen wir ausreichend Schlaf, und eben auch das, was wir in jeder Schlafperiode erledigen – und dafür ist das Träumen, wie wir es kennen, nur ein unvollkommenes Beispiel. Wir verfügen in der Regel nicht über das hoch entwickelte Bewusstsein, um einen Blick in jene Aktivitäten zu werfen oder sie gar zu verstehen, die unserem Leben Ziel und Richtung geben. Statt dessen glauben wir noch immer, wir hätten es in der Hand, das Leben aus unserem ‚wachbewussten, Ich-gesteuerten Wollen’ zu bestimmen – und das ist, nach meiner festen Überzeugung, ein kindlicher Aberglaube, der einer gewissen Ironie nicht entbehrt. Ist es doch eher umgekehrt, dass unser so geschätztes Wachbewusstsein die Quintessenz all jener Prozesse sind, die wir ruhig noch als ‚unbewusst’ einstufen dürfen, und das auf eine so geheimnisvolle Weise, dass wir nicht nur die wahren Zusammenhänge nicht erkennen können, sondern vielmehr noch daran festhalten, und in sicherer Überzeugung, das unser menschliches (wiederum Wach-) Bewusstsein die Ursache für alle Geschehnisse ist, die wir erleben – sei es, dass wir sie selbst herbeiführen (oder dies glauben), sei es, dass wir sie anderen Menschen, oder den Umständen, oder auch mal den Naturgewalten als die größeren ‚Bewirker’ zuschreiben.

Nun, das alles ist so gewollt, wenn auch nicht von uns persönlich (Gott sei Dank! Denn so müssen wir es auch nicht verantworten), weil offenbar eines der größeren ‚Entwicklungsziele’ (falls es so etwas gibt!) wohl darin besteht, dass wir unser ‚individuelles Bewusstsein’ verstärkt entwickeln und so das bilden, was wir ‚unsere Persönlichkeit’ (oder auch Ego, wenn man es richtig versteht) zu nennen pflegen. Wir sind also in dieser ‚Täuschung’, auf die ich oben abgehoben habe, wohl behütet und sicher geführt, und daher habe ich daran nichts auszusetzen.

Andererseits kann mich auch nichts daran hindern, mir eine davon abweichende Weltsicht zu bilden, die dem Ich oder Ego einen guten Platz im Weltgeschehen einräumt, das schon, aber ihm nicht die Spitzenposition zubilligt, die man üblicherweise als ‚gottgegeben’ annimmt. Das könnte nun wieder zu drastischen Missverständnissen führen, denen ich gleich vorbeugen will. Das Individuum ist und bleibt noch für lange Zeit eine bedeutsame evolutionäre Errungenschaft, und es kann nicht darum gehen, es anderen systemischen Ordnungen – Volk, Vaterland, Gesellschaft – unterzuordnen. Die Lehren, die wir aus dem historischen Faschismus ziehen dürfen und sollten, sind zu deutlich, zu schlimm, zu katastrophal, als dass wir auf dieser Linie weitermachen sollten. Gleichwohl ist der Mensch als Einzelner unbestreitbar auch Teil einer Gesellschaft von Menschen, ist Teil eines noch größeren Verbundes von Lebewesen, gleich welcher Art, das wir hier Grenzen für eine überschießenden Ego-ismus ziehen müssen – und dies verstärkt auch tun, wenn man die Ökologische Bewegungen in die Betrachtungen einbezieht.

Nein, ich meine nicht eine andere Anordnung innerhalb des menschlichen, wachbewussten Bezugssystem, sondern eine umfassende Weltsicht, die das wachbewusste Ich als Teil eines größeren Ichs (ICH großgeschrieben) auffasst. Auch wenn wir nicht wissen, noch nicht wissen, wer oder was dieses ICH ist, so dürfen wir doch seine Existenz vermuten, wir sollten es sogar – das gebietet die ‚Denk-Ökonomie’, der ich hier das Wort reden möchte. Jeder Fortschritt in der uns bekannten Menschheitsgeschichte hat immer damit begonnen (‚begonnen’ bitte mit Einschränkungen zu verstehen!), dass Menschen etwas für möglich hielten, was dem üblichen Denken scheinbar widersprach. Von Columbus bis Einstein reihen sich die Beispiele derer, die Großes geleistet haben und unsere uneingeschränkte Anerkennung verdienen. (Von den verschiedenen ‚Religionsstiftern’ unserer bekannten Geschichte will ich hier nicht reden, weil sie heute nicht mehr durchweg als so bedeutend anerkannt sind, wie sie dies zu ihrer Zeit waren). Es ist also wohl ein Schuss ‚Utopismus’ vonnöten, wenn wir unsere Entwicklung im Ganzen voranbringen wollen. Aber eben nur ein Schuss davon, nicht zuviel und nicht zu wenig, und dann auch noch von der richtigen Art – doch das erweist sich meist erst im Nachhinein, wenn sich sichtbare Erfolge einstellen.

Wir wollen also für möglich halten, dass wir Teil eines größeren Ich sind, und dass dieses größere Ich wohl einige Eigenschaften hat, die wir auf unserer Lebenserfahrung her kennen, wenn es um die richtige Einschätzung einer Persönlichkeit geht. Darüber hinaus mag es aber andere Teile – oder Facetten – geben, die sich unserem Bewusstsein und Verstehenkönnen entziehen. Und auch hier argumentiere ich im Sinne einer umfassenderen Wahrscheinlichkeit, die nicht von vornherein Schranken aufrichtet, die wir möglicherweise überwinden müssen – müssen! – wenn wir zu tieferen Einsichten gelangen wollen.

Nun, wenn ich also über die ‚Natur in uns’ reflektiere, dann darf ich mich konsequenterweise nicht auf das beschränken, was uns auf der Ebene des Wachbewusstseins festhält, sondern muss darüber hinausgreifen und Denkmöglichkeiten schaffen, die naturgemäß jetzt noch nicht konkretisiert werden können. Und das tue ich im Vorgriff auf das Kommende, das ‚Noch zu Entwickelnde’, von dem ich hoffe, dass es uns in jeder Hinsicht hilfreich sein wird – auch und gerade wenn es darum geht, die heute drängenden Probleme zu lösen. Und zu diesen Problemen zähle ich neben dem Ökologischen Problem: die Überbevölkerung der Welt, die mangelnde Ernährungssituation, die mangelnde Gesundheitslage, die wirtschaftlichen Probleme einer modernen Industriegesellschaft, ganz zu schweigen (oder eben nicht!) von allen Erscheinungen an Gewalttätigkeit und fanatischer Glaubensanhänger – und auch die triste Lage der Wissenschaften alter Couleur in der heutigen Zeit. Und auch hier verweise ich auf Fanatiker, die sich im Namen der Wissenschaften hervortun möchten.

Keine Frage, dass diese Probleme - und viele andere, die hier nicht genannt sind - untereinander verknüpft sind und ein unauflösliches Geflecht bilden. Und eben so sicher erscheint mir, dass wir ganz neue Denkansätze brauchen werden, um diesen Problemen erfolgreich begegnen zu können. Doch wenn ich Denkansätze meine, dann möchte ich darunter eine andere Art des Denkens verstanden wissen, als wir dies üblicherweise tun. Nicht ‚Rationales Denken’ darf länger im Vordergrund stehen, wie dies heute noch der Fall ist, sondern es muss wieder einordnen in andere ‚Denkrichtungen’, von denen ich nicht so recht weiß, wie ich sie nennen soll. Sagen wir versuchsweise: ‚Fühlendes Denken’, ‚intuitiv gesteuertes Denken’ oder auch ‚Träumendes Denken’. Jedenfalls wiederum ein Denken, das ich als ‚Größeres Denken’ bezeichnen möchte und das analog zum ‚größeren Ich’ zu verstehen ist.

Damit ist implizit auch gesagt, dass wir stärker auf ‚mediale Fähigkeiten’ achten und ihnen einen gebührenden Stellenwert einräumen sollten – gleichzeitig aber auch von unserem kritischen Verstand Gebrauch machen müssen (!), wenn es darum geht, die Ergüsse solcher ‚Eingebungen’ richtig zu würdigen. Richtig finde ich, wenn jeder zwar äußern darf, was er als ‚göttliche Wahrheit’ empfangen zu haben glaubt, aber man sollte – und gerade von der Seite jener her, die über solche Fähigkeiten verfügen - strikt darauf verzichten, mythische Gestalten aller Art (und sei es Gott selber) zum Zeugen ihrer ‚absoluten Wahrheiten’ zu machen, um jene gutgläubigen ihrer Zeitgenossen zu verführen, die leider nicht über die notwendige eigene Einsicht und Wertschätzung verfügen. Ich will dieses Thema hier nicht weiter verfolgen, obgleich es mich in den Fingern juckt, denn ich möchte hier nur Beispiele dafür nennen, was ich mir als notwendige Erweiterung unseres ‚rationalen Denkens’ vorstellen kann – und herbeiwünsche, auch das.

Es läuft also wohl doch darauf hinaus, dass wir die ‚Natur in uns’ auf Ebenen des Denkens und Verstehens zu erfassen suchen, die man früher den Mystikern vorbehalten hat. Und die nicht weiter den Mystikern oder Religionsgründern vorbehalten sein darf, wenn wir das Schisma von wissenschaftlichem und (mystischem oder) religiösem Glaube überwinden möchten.

Nun habe ich zwar nicht ausdrücklich von diesem Schisma gesprochen, und doch habe ich darüber gesprochen, doch, wie ich hoffe, in einer weniger eklatanten und verständlicheren Form, als wenn ich mich auf den Gegensatz von Glaube und Wissenschaft bezogen hätte. Zwar ist zu diesem Thema noch viel zu sagen, und ich habe einiges darüber in anderen Texten gesagt. Doch um einer ausgewogenen Darstellung dessen willen, was ich gegenwärtig als ‚mein Weltbild’ sehe, will ich dieses Kapitel hiermit beenden und mich anderen bedeutenden ‚Fixpunkten’ meiner Weltanschauung zuwenden.

Dabei schwebt mir vor, unser Verständnis von Natur so zu erweitern, dass es den Himmel, die Wolken und die Sterne darüber als Teil der Natur begreift. Wenngleich ich daran zweifle, dass es mir gelingen wird, auch das Weltall als Teil der Natur, wie wir sie verstehen, verständlich zu machen. Verständlich insofern, als es da draußen nichts gibt, was nicht in unserem Inneren vorgeprägt ist – und gleichsam nach außen projiziert wird.

Doch davon später mehr.