Über Systeme

Geschrieben von Super User. Veröffentlicht in Wissen und Glauben

Ich möchte eigentlich das Thema ‚Bezugssysteme’ abschließen, aber es sind noch ein paar Gedanken nachzutragen.

Da ist zum einen der Begriff ‚System’, der darauf hinweist, dass wir es mit einem Gegenstand eigener Art zu tun haben. In meiner Bioenergetik habe ich an verschiedenen Stellen Passagen über eine ‚eigene’ Systemtheorie eingefügt und ich kann mich hier kurz fassen.

Was ist ein System? Man kann es nicht auf ein ‚elementares’ Etwas zurückführen, weil ein System selbst ‚elementar’ ist. (Ich setze das Wort ‚elementar’ einstweilen in Anführungszeichen, weil es noch nicht definiert ist – aber ich denke, jeder versteht, was damit gemeint ist.) Andererseits zeigt die folgende Definition, wie kompliziert die Dinge sind: 

Ein System besteht aus Teilsystemen. Oder: Jedes System besteht aus Teilsystemen. Und:
Jedes Teilsystem ist selbst wieder ein System

Mit dieser Definition wird ein System auf sich selbst abgebildet, ist also ‚reflexiv’. Was soll damit ausgedrückt werden?

Ein Grundbegriff meiner (und nicht nur meiner!) Weltanschauung wird mit dem Wort ‚Selbst’ umschrieben. Selbst im Sinne von ‚ich selbst’ – oder: Selbst-Bewusstsein – oder: Selbst-Erkenntnis. Oder usw…

Man könnte also sagen:

Jedes System erkennt sich selbst – in seinen Teilen und als Teil als eines Größeren Ganzen.

Damit ist auch gesagt, dass dies auf jedes Teilsystem zutrifft – und auf das ‚Größere Ganze’ (genannt Supra-System oder 'Übersystem’). Dieses ‚Sich selbst erkennen’ oder ‚seiner selbst bewusst werden’ ist elementar. Andererseits gibt es kein letztes Teilsystem, das am Ende der Kette steht uns als solches ‚elementar’ genannt werden könnte.

Ich hoffe, das war nicht so schwierig wie es sich liest. Falls doch, wird es im weiteren Verlauf unseres Gesprächs deutlicher werden.

Erstes Beispiel dazu:

Ich habe seinerzeit bei A.A.Bailey ein Systembild gefunden, das mich … befreit hat. In ihrem Werk ‚Die Sieben Strahlen’ wird immer wieder darauf Bezug genommen. Dieses Bild wird auch in der Hermetik verwendet, es erklärt die Erscheinungsformen dieser (und nicht nur dieser) Welt als Ausdruck von Energien, die allerdings in ‚sieben Grundelementen’ – oder Grundfarben, oder Grundtönen, usw. – ‚auftauchen’. In unserer modernen Sprechweise wären sie als ‚Energieformen’ zu bezeichnen, aber nicht zu verwechseln mit den Energieformen der Physik (mechanische, thermische usw. Energie …), die hier samt und sonders als eine ‚physikalische’ (oder auch ‚materielle’) Energie(-Form) zusammengefasst werden. Weitere ‚Energieformen’, die das menschliche Bezugssystem bilden, werden bezeichnet als ‚ätherisch’, ‚astral’, mental usw. Die Ausdrücke sind in verschiedenen Kulturkreisen unterschiedlich gewesen und geben häufig Anlass zu Missverständnissen.

Beispielsweise meinen Physiker häufig, sie hätten gelernt (man hätte ‚bewiesen’!), dass es so etwas wie ‚Äther’ nicht gäbe. Das ist falsch. Man hat Ende des 19. Jahrhunderts das Modell eines ‚mechanistischen 'Äthers’ als Träger von Lichtwellen verworfen – aus gutem Grund. Die alte Auffassung von Äther war aber niemals mechanistisch gemeint. Also ist durch die Physik in dieser Hinsicht nichts bewiesen oder widerlegt worden. Im Gegenteil: Das ‚systemische Energiemodell’ (wie ich es häufig nenne) zeigt klar, dass ‚Äther’ außerhalb des Bezugssystems der Physik liegt und in diesem nicht erklärt werden kann. Ein Physiker darf sich also (von Amts wegen) zum Äther und dgl. gar nicht äußern – das ist außerhalb seiner Zuständigkeit. Streng genommen. Aber ein Mensch, auch ein Physiker, darf es natürlich, wenn er sich dabei nicht auf die Physik beruft – sondern auf das ‚systemische Modell’.

Was ich über den ‚Äther’ sagte – den ich übrigens damals als ‚bioenergetisches Feld’ auffasste, und das war zu kurz bemessen! – gilt sinngemäß für alle anderen Energieformen des systemischen Modells. Darauf will ich jetzt nicht näher eingehen.

Ich hoffe, dass ich damit die Frage halbwegs beantwortet habe: Wie steht es mit der Gleichwertigkeit des ‚physikalischen Modells’ (einschließlich seiner chemischen ‚Elemente’) und des ‚systemischen Modells’? Ist nicht letzteres dem ersteren überlegen?

Nun, systemisch gesehen, bewegen wir uns auf unterschiedlichen (System-) Ebenen, wie ich bereits sagte. Es hängt also davon ab, was wir beschreiben oder erklären wollen. Das physikalisch-chemische Modell hat sich im Zuge der Industrialisierung hervorragend bewährt und unser Bestreben zur Technisierung der Welt gefördert. Hat aber auch unser ‚ökologisches Denken’ beeinträchtigt und uns die heute präsente Umweltproblematik beschert. Noch schlimmer hat es sich im medizinisch-biologischen Bereich ausgewirkt – wie man heute leicht sehen kann (außer, man ist selbst Teil des betreffenden Systems!). Unser Umgang mit Mensch und Tier (und Pflanze) ist durch unser Denken geprägt und trägt, klar erkennbar, die Züge eines mechanistischen Weltbildes, das sich auf die Physik als Wissenschaft abstützt und dabei übersieht, dass gerade die Physiker sich (damals, heute oft nicht) ihrer begrenzten und begrenzenden Auffassung von der Welt als physikalisches Objekt bewusst waren. H. Pietschmann hat das in seinem Buch ‚Das Ende des naturwissenschaftlichen Zeitalters’ nicht nur beschrieben, sondern anhand der historischen Entwicklung so herausgestellt, dass auch ein Nicht-Physiker es verstehen kann. Die Frage war und ist, wie es zu dem ‚naturwissenschaftlichen Paradigma’ kam – und warum wir inzwischen gezwungen sind, umzudenken. Das Wort vom Paradigmenwechsel ist nicht mehr so oft zu hören wie vor zwanzig Jahren, stattgefunden hat er jedoch noch nicht oder nur in Teilen der wissenschaftlich tätigen Welt.

Wir lernen daraus, dass die Menschheit zu gewissen Zeiten eine Denkrichtung bevorzugt und diese gar … über-bewertet. Das wäre nicht erforderlich, wenn man sich zu jeder Zeit der Grenzen und der Tragweite seiner Grundannahmen (oder seines Bezugssystems) bewusst bliebe – und tolerant gegenüber andersartigen Auffassungen. Das gilt heute noch für weite Bereiche der Schulmedizin, aber auch der Humanwissenschaften. Und ich meine, dass wir in nächster Zukunft diesen Schritt zu einer duldsamen Auffassung tun müssen, wenn wir unsere gängigen und drängenden Probleme lösen wollen. Dazu soll der Satz von der ‚Gleichwertigkeit verschiedener Bezugsysteme’ oder Denkansätze oder Grundauffassungen oder Weltanschauungen …. helfen. Das gilt natürlich auch für die religiösen Bezugssysteme, deren Fanatisierungstendenzen man nur verstehen kann, wenn man einsieht, wie fanatisch wir das ‚wissenschaftlich-begründete’ westliche Weltbild verteidigen. Und mehr als verteidigen – es aggressiv in die Welt hinaustragen und alles und jeden ihm unterwerfen wollen Das muss logischerweise Gegenkräfte wecken.

Zweites Beispiel: Was ist elementar?

Wir alle kennen die chemischen Elemente, von denen man seinerzeit glaubte, sie seien elementar (weil a-tomar, also unteilbar). Heute wissen wir, dass auch die Elemente sich aus anderen Elementar-Teilchen zusammen setzen, von denen die Physiker inzwischen wieder annehmen, dass auch sie nicht elementar sind. Verstünden sie ein wenig mehr von Systemtheorie, dann wüssten sie, dass sie auf ‚verlorenem Boden stehen’, weil die Elemente von Heute schon bald wieder in andere ‚Elementare’ zerlegt werden können.

Früher glaubte man, dass es auch im Bereich des ‚Ätherischen’ – oder des ‚alles belebenden Feldes’ – so etwas wie Elemente oder Elementarwesen gäbe. Kann sein oder auch nicht- es hängt nur davon ab, ob wir es so sehen wollen. Wir können also dem Wind die Sylphen, dem Wasser die Nymphen, dem Feuer die Salamander usw. zuordnen – und wenn wir genug Phantasie haben, werden wir sie auch sehen. Entsprechend dazu könnte man auch nach Elementen in den Emotionalen Feldern suchen und die ‚entsprechenden Geister’ wecken – besser: sie erschaffen. So, wie wir die Elementarteilchen der Physik erschaffen.

Stellt sich die Frage, ob es nicht von Natur aus ein ‚Elementares’ gibt – beispielsweise Feuer und Wasser, Erde und Luft … oder entsprechend der Fünf-Elemente-Lehre: Holz, Metall, Wasser, Feuer und Luft …. Oder wie immer wir sie benennen mögen.

Phänomene per se

Nun, gehen wir phänomenologisch vor: Wir erkennen die Welt als Ganzes, aber verstehen tun wir sie nur in Teilen. Ich schaue aus dem Fenster und sehe Häuser, viel Wald, die Straße, manchmal auch Menschen, natürlich Vögel, dann wieder eine streunende Katze, selten ein Auto, das auf der Straße vorbeifährt.

Ich sehe also ein Bild und zerlege es automatisch in Teile – so, wie ich das in ganz früher Kindheit gelernt habe. Ich muss Teile aus dem Ganzen herauslösen, um sie zu verstehen. Daran ist nichts falsch. Falsch kann es jedoch werden, wenn wir die Teile für das Ganze nehmen. Dann geht uns der Bezug verloren. Daher sage ich in meiner Systemtheorie (wie andere auch), dass die Beziehung der Teile untereinander das Wesentliche sind – nicht die Teile allein. Und dazu gehört der Bezug der Teile jeweils zum größeren Ganzen. Und ein Ganzes an sich gibt es nicht – in dieser Theorie. Weil jedes Ganze wiederum Teil eines größeren Ganzen ist. Klar. Und die Teile können zwar als elementar angesehen werden, aber die Ausdruckweise: „… besteht aus dem und dem!“ ist irreführend oder gar falsch. Je nachdem. Zumindest aber ungenau. Ein Molekül besteht also nur im Denken aus Atomen. Genauer wäre zu sagen: ein Molekül kann in Atome zerlegt werden. Das geschieht im Experiment. Oder, nach unserer Vorstellung, in chemischen Prozessen.

Ebenso zerlegen wir ein Bild in Teile, und kategorisieren die Teile, um sie ‚wieder zu erkennen’. Häuser, Straßen, Menschen, usw. Oder wir zerlegen Sätze in Worte. Aber der Sinn eines Satzes liegt – mindestens – im Bezug der Worte zueinander. Und selbst das ist ungenau- denn der Sinn eines Satzes liegt nicht nur im Satz selbst, sondern auch im Bezug (oder Zusammenhang), in dem er gesprochen oder geschrieben wird. Also ist der Bezug wesentlich.    

Worte zerlegen wir in Buchstaben, um sie schreiben zu können. In einer Bildersprache werden Ausdrücke durch ganze Bilder oder Symbole dargestellt – nebst Bezug. Das Zerlegen von Teilen in immer kleinere Teile ist also willkürlich, konstruiert – und vereinbart. Es bestehen Konventionen darüber, wie gewisse Systeme zu zerlegen sind. Moleküle in Atome, Atome in Atomkern und Hülle – oder auch in Elektronen und Ionen. Wie es gerade zweckmäßig erscheint.

Also ist das Zerlegen selbst ein Elementares im menschlichen Denken, Verstehen und Erkennen. Dem Zerlegen beigeordnet und gleichwertig ist das Zusammensetzen. So malen Kinder oft Bilder, in dem sie einzelne Elemente zusammensetzen. Ein Künstler würde so nicht vorgehen. Er malt das Bild in seinem Zusammenhang – aber: er hat es anders zerlegt, indem er einen Ausschnitt wählte. Das Bild verlängert sich in andere Richtungen – und in andere Dimensionen. Vom Sichtbaren ins Unsichtbare, vom Erkennbaren ins Ahnungsvolle, vom Geschauten ins Angedeutete, ins Hinweisende.

Anders gesagt, auch ein Bezugssystem ist selbst wieder ein System. Das wissenschaftliche Bezugssystem ist Teil eines größeren Systems, das wir üblicherweise mit ‚Kunst und Wissenschaft’ umschreiben. Womit nicht gesagt ist, ob damit das Ziel der Vollständigkeit erreicht ist. Vielleicht müsste man die Mystik dazunehmen. Also dem ‚sinnenhaft Wahrnehmbaren’ das …. Ergänzende zugesellen. Oder, wie wir auch sagen, die Entsprechungen der Äußeren Sinne im Innenraum zur Geltung bringen: dem Sehen das Schauen, dem Hören das ‚innere Hören’, dem Schmecken den Geschmack (hier haben wir nur ein Wort für verschiedene Arten des Geschmacks – das Schmecken, und den ‚guten Geschmack’.)

Bezugssysteme müssen sich (irgendwo, irgendwie) ergänzen (ein Lieblingswort von mir!), um ein größeres Ganzes zu bilden. Hübsch, nicht!

Nun gut, wir müssen das an dieser Stelle nicht ausweiten, ich denke, ich habe mich soweit verständlich gemacht.

Bleibt mir für heute noch ein anderes Thema, das ich jedoch nur anreißen möchte. Da geht es um Phänomene. Ich stimme mit der häufig geäußerten Meinung überein, im Zweifelsfall dem Phänomen den Vorrang vor der Erklärung (des Phänomens) zu geben. Nehmen wir beispielsweise das Magnetfeld. Ein Magnetfeld ist sinnlich nicht erfahrbar – aber seine Auswirkungen. Jeder kann eine Kompassnadel beobachten und damit in etwa die Nordrichtung bestimmen. Das Phänomen als solches ist nicht anzuzweifeln, die Erklärung jedoch beruht auf einer Vereinbarung. Das, was die Kompassnadel beeinflusst, nennen wir ein Magnetfeld. Ein Magnetfeld ist für den Physiker elementar, weil er damit ganz unterschiedliche Phänomene erklären kann. Denkbar wäre aber auch ein anderes Konstrukt, das denselben Dienst leistet – verschiedene Phänomene in ihrem Zustandekommen unter ein gemeinsames Dach zu stellen und dieses ‚Ursache’ zu nennen. Hinter der Sache vermuten wir die Ur-Sache und tun gut daran. Nur – was ist wirklich ursächlich? Was bewirkt die Wirkung, die wir letztlich als Phänomen erfahren? Die moderne Sichtweise besagt, dass wir die Ursache nicht von der Wirkung trennen können. Klar.

Noch moderner, aber unphysikalisch wäre die Aussage: Es könnte durchaus die Wirkung der Ursache zeitlich vorausgehen. Oder: die Ursache könnte in der Zukunft liegen. Das ist natürlich Unfug, aber im Lebendigen gibt es ‚Ungefügtes’ – auch wenn es unserem Verstand zuwider läuft. Wir müssen unser rationales Bezugssystem erweitern – oder ergänzen. Um ein wirklich Kausales Bezugssystem zu formulieren, müssen wir uns wohl oder übel ins Nicht-Kausale begeben. Oder anders gesagt: die wahren Ursachen für zeitliche Phänomen liegen im Zeitlosen. Oder: Man muss die Systemebene wechseln, um ein ‚Ursächliches’ zu finden.

Doch dazu dann später mehr.