Günther's Didgeridoo Geschichte

Geschrieben von Gü. Veröffentlicht in Selbst Musizieren

Günthers Didgeridoo Geschichte - von den Anfängen an erzählt

Meine eigenen Versuche und Fehlversuche werden hier beschrieben - und wie ich schließliich doch Erfolg hatte. Den Fortschritt kann man auch hören - in den Soundbeispielen, die ich zu jener Zeit aufgenommen hatte.

 

 
Als ich diesen Text begann, war ich gerade mal 14 Tage dabei, das Didgeridoo für mich zu erkunden. Was ich dabei erlebte, soll hier erzählt werden. Dabei denke ich an diejenigen, die wie ich plötzlich Lust verspüren, sich auf ein Didgeridooeinzulassen. Und mit einlassen meine ich, es in die Hand nehmen, selber darauf blasen (spielen kann man es wohl kaum nennen) und schließlich selbst eines bauen wollen.

Es gibt im Internet eine lange Reihe guter und instruktiver Didgeridoo-Seiten. Einige davon habe ich unter LINKS aufgeführt. Und nahezu jede Seite führt wieder auf andere gute Seiten. Wer also Fundiertes zum Didgeridoo, seiner Herkunft, Geschichte und besonderen Eigenart erfahren möchte, findet reichlich Material dazu. Das brauche ich also hier nicht zu wiederholen.

Es gibt auch wirklich gute Spielanleitungen von Könnern, die es mir ermöglicht haben, erste Versuche zu machen. Von diesen will ich nur diejenigen (lobend selbstverständlich) erwähnen, die mir besonders gelegen haben - es mag anderen Anfängern auch helfen. Doch viele Könner können sich kaum mehr daran erinnern, wie einem Anfänger zumute ist.

Man vergisst es so schnell - selbst ich habe jetzt schon Schwierigkeiten, mich an die ersten Stunden und Tage zu erinnern, und vor allem die Gefühlszustände noch einmal lebendig werden zu lassen, die mir dabei jene emotionale Berg- und Talfahrt bescherten, die wohl jeder am Anfang erlebt. Sie reichen von 'Das lerne ich nie' über 'Das konnte ich doch gestern besser' und 'Wo ist der Ton geblieben, den hatte ich doch schon mal!' und .... 'Das ist ja phantastisch, was das mit einem macht!' usw.

Ich weiß, dass ich kein großer Didgeridoo-Spieler werde. Hauptsache, es macht mir hin und wieder Freude. Also für den Hausgebrauch - mehr wird es nicht werden, wie ich mich kenne.

Ich weiß auch, dass ich kein Didgeridoo-Bauer werde. Auch dazu fehlt mir die Anlage - aber es macht mir Freude, e i n eigenes Didgeridoo zu bauen. Mein Erstling ist noch nicht fertig, ich werkle noch daran. Aber es ist jetzt schon ein Erfolg, selbst wenn es nachher nur mäßig klingen sollte.

Ich glaube, dass es heute viele Andere gibt, die wie ich daran gehen, das Didgeridoo kennen zu lernen. Für diese schreibe ich und ihnen möchte ich Mut machen, die ersten Frustphasen durchzustehen. Es lohnt sich wirklich.

Aber wenn heute noch nicht die rechte Zeit ist - kann ja auch sein, nicht wahr! - dann lieber warten, bis es einem wieder begegnet. Alles ist eine Frage der Motivation - und diese muß stimmen. Sonst ist die Anstrengung vergeblich, und das wäre schade um die schöne Erfahrung, die einem dann entgeht, wenn man sich zur falschen Zeit reinhängt.


 

Meine erste Begegnung mit dem Didgeridoo

Was ich früher über das Didgeridoo hörte, will ich hier übergehen. Jeder hat es wohl mal im Fernsehen gesehen oder sogar darauf spielen hören. Ich habe schon einige Zeit eine CD von Steve Roach, die ich sehr mag. Das Didgeridoo in diesen Stücken ist wunderbar - aber der Gedanke, ich könnte mal selbst darauf spielen, ist mir nicht gekommen, bis ..

Nun, wie so oft war es ein Freund, einer der selbst von der Bewegung erfasst war. Seine Begeisterung hat mich schließlich angesteckt. Als er mir vor einem halben Jahr von seinen eigenen Erfahrungen erzählte - wundervoll erzählte, wie ich noch erinnere - hat es mich zwar gereizt, es auch zu probieren, aber es war noch zu weit weg. Anders gesagt, es führte kein Weg dahin. Sicher, man könnte mal einen Kurs bei einem der zahlreichen Könner belegen, die auch Anfänger unterrichten. Aber wenn keiner in der Nähe ist? Ich sitze hier in den Vogesen-Bergen, und die Didgeridoo-Spieler sind nicht gerade um die Ecke - dachte ich. Inzwischen weiß ich es besser.

Das nächste Mal, als jener Freund wiederkam und sein Didgeridoo mitbrachte, hat es mich über die Schwelle gehoben. Jetzt hatte ich wirklich Lust, mich mal darum zu kümmern. Und was lag näher, als sich im Internet umzutun? Und ich fand sie ... die vielen www.Didgeridoo-Varianten, die es in Deutschland und weltweit gibt. Von da an ging's bergauf.

Und wie komme ich jetzt möglichst schnell an ein Instrument? In den nächsten Laden fahren, kam nicht in Betracht. Wir sind hier in den Vogesen, und ich bin zur Zeit nicht abkömmlich - wegen der vier Hunde (in Worten V I E R). Also in den zahlreichen Internet-Shops nachschauen, was es so gibt ... und was sie kosten. Schließlich habe ich ein einfaches und billiges Instrument bestellt ... es ist bis heute noch nicht angekommen.

Ich bin ein ungeduldiger Mensch. Wenn es nicht gleich geht, verliere ich vielleicht wieder die Lust. Also musste ich mich mit einer Notlösung behelfen.


Ein Kunststoffrohr tut's auch

Bei Johannes Schildkamp erfuhr ich, dass man am Anfang auch ein einfaches Rohr aus Kunststoff nehmen könne. Ein Rohr hatte ich auf dem Dachboden, wissen die Götter, wozu es da ist. Es war schon da, als wir in das Haus eingezogen sind. Wie gesagt, es lag da, war nirgends angeschraubt - so weit wollte ich dann doch nicht gehen und die Wasserleitung abmontieren! - und schrecklich dreckig und verstaubt. Es war ein graues Plastikrohr von 4 Zentimeter Durchmesser. Ich habe mir ein Stück von 1 Meter 30 abgesägt und es sauber gemacht. Dabei entdeckte ich, dass es viele kleine Löcher hatte. Aber das hat mich nun nicht mehr aufgehalten, ich habe sie einfach zugeklebt.

Dem Anfänger empfehle ich jedoch, in den Baumarkt zu fahren - was ich schließlich selbst tat. Man bekommt wohl überall Kunststoffrohre von 5 Zentimeter und 7,5 Zentimeter Durchmesser in Standardlängen von 2 Meter und 4 Meter. Damit lässt sich etwas anfangen, das ich nach wie vor brauchbar finde, vor allem deshalb, weil es sehr strapazierfähig ist - der Anfänger möchte sicher sein, dass er nichts kaputt machen kann. Und so lange Rohre haben ein Eigenleben und bleiben an den unmöglichsten Stellen hängen. Klack! Schon wieder eine Ecke ab? Man muß es erst lernen, damit umzugehen. Ich jedenfalls habe einiges (Miß-) Geschick darin, Sachen kaputt zu machen.

Ein Rohr hatte ich also. Was nun? Ich brauche ein Mundstück. Auf den diversen Abbildungen habe ich gesehen, wie es aussehen könnte. Leider finde ich keine Beschreibung darüber, wie man es macht. (Inzwischen weiß ich, das es sie gibt!). Aus Bienenwachs, habe ich gelesen. Bienenwachs zu beschaffen, war kein Problem, ich bekam es auf der 'Ferme' (Bauernhof), die uns täglich mit Milch versorgt. Sie haben außer Käse und Kirsch auch Bienenhonig aus eigener Produktion. Ich bekam ohne weitere Umstände eine großen Riegel Bienenwachs von ca. 1 Kg, in Barrenform gegossen. 'Goldbarren' nannten sie es, und er sah wirklich so wertvoll aus wie Gold. Riechen tat er noch besser.


Ein Mundstück selbst gemacht

Von diesem Bienenwachs-Riegel schnitt ich eine Scheibe ab - es geht ganz gut, wenn man das Messer heiß macht! - und wärmte sie im Backofen auf niederster Stufe an, eingewickelt in Backpapier. Das ging auf Anhieb. Dann habe ich es geknetet, wie ich es seinerzeit gelernt hatte, als ich mir das Töpfern beibrachte. Erst eine Kugel, dann eine Wurst. Diese dann flachdrücken zu einem Band, das etwas länger ist, als der Umfang des Rohres misst. Das Rohr ein wenig mit dem Föhn anwärmen, das nützt. Dann das Wachsband um das Rohrende gelegt, so dass gut die Hälfte des Bandes übersteht. Die Enden werden übereinandergedrückt und was übersteht, mit dem Messer abgeschnitten.

Mit der hohlen Hand das Wachs nun andrücken und warm halten. Wenn es zu steif ist, mit dem Föhn darüber blasen, bis es sich wieder gut kneten lässt. Dann vorsichtig andrücken, von oben nach unten - wie sonst? Na ja, das geht alles wie von selbst, und ist einfacher zu machen als es sich beschreiben lässt.

Nun kommt die Innenwand dran. Dazu wird das Wachs langsam nach unten 'geschoben'. Mit dem Daumen kann man es nach und nach an die Innenwand des Rohres drücken und festpressen. Auch das ist kein Problem. Soll der Übergang vom Wachsmundstück zum Rohr fließend sein oder ein kleiner Absatz stehen bleiben? Ich weiß es nicht definitiv, da beide Sichtweisen vertreten werden. Und welchen Unterschied macht das schon bei einem Anfänger, der sich noch um die ersten Töne müht?

Der freie Teil des Wachsbandes, der über das Rohrende hinausragt, wird nach innen gebogen - peu à peu. Schließlich hat man oben einen kugelförmigen Abschluss mit einem Loch in der Mitte. Keine Sorge, wenn das Loch unregelmäßig ist. Das schneiden wir später gleichmäßig aus.

Aber wie groß soll die Öffnung sein? Zwischen 20 und 35 mm, lese ich. Ich fange also mal klein an. Zur Hilfe nehme ich eine kleine Parfümöl-Flasche aus meinem Kosmetik-'Baukasten'. Den habe ich noch aus der Zeit, als ich selbst Naturkosmetik hergestellt habe. Die 10 ml Flaschen sind im Durchmesser 20 mm. Das hat sich bewährt und tut es immer noch. Ich lese, dass die Anfänger kleine Öffnungen bevorzugen. Ok, ich bin ein Anfänger. Also die Flasche in die Öffnung gesteckt und das Wachs schlüssig daran geknetet. Am Ende ziehe ich sie heraus und habe ein kreisrundes Loch. Keine Ahnung, ob das gut ist. Jedenfalls sieht es gut aus.

Nun kommt noch die Feinarbeit, denn schließlich soll das Mundstück etwas gleich sehen. Das heißt, die Höcker flachdrücken und die Mulden, die sich beim Andrücken ergeben haben, ausgleichen. Wenn man es mit einem Handföhn warm hält, ist das kein Problem.

So weit verlief alles befriedigend. Ich saß vor unserer Küchentür im Schatten, den Föhn hatte ich durch das Küchenfenster angeschlossen, und genoss den warmen Sommertag und den kräftigen Duft, den das Bienenwachs ausströmt, wenn es noch 'grün' ist. Das war mit der schönste Teil der Arbeit an meinem ersten Rohrinstrument.


 

Die ersten Töne

Ich lese eine Spielanleitung um die andere und lade mir die Soundbeispiele herunter. Auf Marek's Didgeridoo-Seite finde ich zuerst, was ich suche. DI - DA - LO - DA. Das hört sich einfach an. Und die Zirkulationsatmung wird genau beschrieben. Bei Richard Schley finde ich einen ganzen Einführungskurs. Gut erklärt, mit allem, was dazu gehört, die Anfangsprobleme zu meistern. Vor allem, immer wieder Mut machen. Bis jetzt hat es jeder gelernt, der dabei geblieben ist. Dabei bleiben, das ist der Knackpunkt. Auch bei Didgeman.com gibt es die passende Beschreibung - man denke an einen PUBS. Und auf dem Beispiel pubs.wav wird es vorgemacht. OK, das kann ich, das kann schließlich jeder. Und trotzdem bin ich hier in die Irre gegangen. Schließlich kann man auf verschiedene Weise 'pubsen' - ich habe es auf die strenge Art gemacht, das heißt, die Lippen zu fest gepresst. Das gibt auch einen Ton, aber es ist nicht der Grundton. Damit gingen die ersten beiden Wochen dahin - blasen, blasen, pubsen, blasen ... und dabei das Einatmen üben. Schliesslich will ich es richtig lernen, mit allem, was dazu gehört - also auch den Dauerton ... und das heisst, die Zirkular- (Zirkularisations-) Atmung.


 

Atmen - schnaufen - ... die Luft ist dauernd weg

Heute weiß ich, dass es besser gewesen wäre, zunächst NICHT auf die Zirkularatmung zu achten. Man kann auch ohne sie schön spielen, wenn man genügend Luft hat. Und das Luft holen habe ich auf meinen Spaziergängen trainiert, die ich jeden Tag, pflichtgemäß oder aus Lust, mit den Hunden in die Berge mache. Pffff - zwo - drei - vier. Pffff ... die Hunde waren am Anfang erheblich irritiert und wussten nicht so recht, ob das ein neues Signal ist. Ich habe ihnen erklärt, dass ich nur übe und es nichts zu bedeuten hat - das haben sie schließlich verstanden und sich nicht weiter darum geschert, wenn es hinter ihnen andauernd Pffff... machte.

Jedenfalls war das eine exzellente Übung. Es trainiert die Lippen, bringt den ganzen Körper zum Vibrieren, und es schafft Luft herbei ... wenn man über die erste Phase hinweg ist, wo permanente Atemnot herrscht. Und bei Pffftttt ... kann man das 'Luft durch die Nase ziehen' üben.

Nach wenigen Tagen merkte ich deutliche Nebenwirkungen. Meine Stimme wurde tiefer - und kräftiger, wie meine Frau versicherte. Zeitweise war es mir unangenehm, beim Sprechen meine eigenen Hohlräume - solche die ich kannte und noch weitere, wahrscheinlich im Kopf? - vibrieren zu spüren. Das war die beste Atemübung, die ich je machte. Und ich machte sie ohne daran zu denken - weil ich das Spielen erlernen wollte, nicht um der Atemübung willen (das funktioniert bei mir nicht lange. Das Üben!).


 

Auf der Suche nach dem "Grund" - Ton

Wie gesagt, die ersten Töne brachte ich schon bald, nachdem ich das erste Didgeridoo angefertigt hatte, durch das Rohr. Wahrscheinlich war es ein Overblow oder etwas ähnliches. Jedenfalls war es eine Art Ton, wenn auch nicht der Grundton, wie er sein sollte. Den packte ich - wegen des anfänglichen Mißverständnisses - erste am Beginn der dritten Woche. Das kann man besser machen, wenn man einen Lehrer hat. Oder wenn man weiß, worauf es ankommt.

Daher kann ich den Anfängern sagen, was andere wohl auch (irgendwo) gesagt haben. Das mit dem PUBS ist irreführend. Das andere Beispiel trifft es wohl eher, das ich auch gefunden habe: macht es wie die Kinder, wenn sie 'Flugzeug' spielen. Oder irgendwo dazwischen. Es ist ein 'Flappern' (wie David Linder es ausdrückt).

Am Anfang holt man zuviel Luft und donnert sie durch das Rohr. Wenn nichts kommt, bläst man kräftiger. Und wenn man Glück hat, gelingt einem ein schöner Trompetenton. Es regelt also nach der falschen Seite. Umgekehrt wird es richtig. Sachte und mit Gefühl. Meiner Tochter sagte ich, es ist ein leichtes Blasen ... so, wie man auf die Haut bläst, wenn man sich verbrannt hat. Das hat hingehauen. Kaum war ich aus der Tür, hörte ich hinter mir das Didgeridoo dröhnen. Und wieder und wieder. Wenn man es einmal gepackt hat, motiviert das ungeheuer.

Und achtet darauf, dass das Rohr schwingt. Nicht nur ein wenig vibriert, sonder richtig kräftig schwingt, wenn der Ton 'steht'. Klar, dass der Grundton die 'erste Eigenschwingung' eines beidseitig offenen Rohres ist, wie man in der Physikstunde gelernt hat.

Und noch etwas habe ich beobachtet. Es kommt natürlich auf die Stellung der Lippen in der Öffnung des Mundstückes an. 'Schmollmund' nannte es jemand, das trifft es wohl. Und die Lippen locker lassen. Ich beginne meistens noch mit dem leichten 'tfhhh' - also ob man ein kleines Sandkorn ausspucken wollte, wobei die Zungenspitze kurz in die Mundöffnung fährt. Wenn es läuft, geht es auf andere Weise auch. Aber beim ersten Ansetzen habe ich noch immer Schwierigkeiten, die richtige Mundstellung, den richtigen Andruck, die richtige Luftstärke usw. zu finden. Meist dauert es ein paar Sekunden, bis ich wieder das vertraute Vibrieren spüre und der Ton steht.


 

So nebenbei

Übrigens fällt mir hier eine Übung ein, die wohl die meisten aus ihrer Kinderzeit kennen: das Kammblasen. Klar? Man hält ein Stück Pergamentpapier (früher hieß es Butterbrot-Papier) über einen Kamm und drückt ihn leicht an die Lippen, während man einen Ton summt. Dabei spürt man das leichte Vibrieren, wenn das Papier in Resonanz gerät. Und wie das kitzelt! Jedenfalls kann man sich dabei ein wenig an Lippenvibrationen gewöhnen - beim Didgeridoo sind sie wesentlich langsamer und nicht so unangenehm.

"Je weniger Luft man verbraucht, um so besser!", habe ich gelesen. (Entschuldigt, ich habe mir nicht gemerkt, wer wo was gesagt bzw. geschrieben hat.) Aber das ist ein guter Hinweis gewesen. Sparsam mit der Luft umgehen, die am Anfang ohnehin schnell knapp wird. Seither übe ich, den Ton möglichst lange zu halten. Bisher habe ich es auf 35 Sekunden gebracht, und ich werde fast täglich besser. Ein Zeichen dafür, das die Lunge wächst und die Atem-Ökonomie besser wird. Auch ohne Zirkulationsatmung kann man in einer halben Minute eine ganze Menge Ton-Varianten produzieren.

Trotzdem will ich die Zirkulationsatmung lernen. Egal, ob es dazu gehört oder nicht. Dieser lang anhaltende Sound hat es mir früher schon angetan, er macht schließlich die Eigenart des Digeridoo-Spieles aus, für mich jedenfalls. Wie beim Dudelsack oder der Drehleiher - und beides wollte ich früher schon lernen (und beim Wollen ist es geblieben!). Also, das lasse ich mir nicht nehmen, und daher übe ich noch immer am 'Kreiselatmen', pardon: an der Zirkulationsatmung (oder 'circular breathing'), wie es richtig heißt.


 

Zirkular gedacht

Um es gleich vorweg zu sagen, ich bin noch am Üben. Bei mir zirkuliert alles mögliche, aber nicht die Atmung. Die geht noch immer wie der Blasebalg - raus durch das Rohr, rein durch die Nase. Schön im Wechsel, wie das bei normalen Menschen so üblich ist.

Immerhin, ich habe mich umgesehen und die meisten der empfohlenen Übungen probiert.

  1. Die Wasserspülung. Das ist noch immer eine gute Übung für denjenigen, der den Trick erlernen will. Man lernt dabei jene gegenläufige Bewegung, die so ganz 'unphysiologisch' ist: Einatmen (durch die Nase) und gleichzeitig das Wasser aus den Wangen pressen (ohne sich zu verschlucken!). Aber nach ein paar Versuchen gibt diese Übung nichts mehr her. Man lernt sehr schnell, dass Wasser schwerer als Luft ist. Da ist die nächste Übung schon schwieriger - das ist
  2. Die Strohhalmübung. Dabei stellt man einen Strohhalm in ein Glas Wasser und sprudelt. Eins - zwo - drei - ... jetzt kommt der Trick. Bei 'drei' Luft in den Backen sammeln und bei 'vier' diese durch den Strohhalm drücken, während man einatmet. Es hört sich einfacher an, als es ist. Ich habe es bis heute noch nicht geschafft, und ich weiß auch warum. Die Luft ist viel schneller weg, als ich Zeit brauche, um durch die Nase einzuatmen.
  3. Also habe ich zuerst geübt, kurz und schnell Luft zu holen. Schnieeef! Trotzdem ist mein Luftvorrat, selbst bei aufgeblähten Wangen, zu klein. Wenn ich dabei in den Spiegel schaue, sehe ich, warum. Ich habe keine barocken Pausbäckchen. Und ich habe offenbar noch nicht die geschulten Wangenmuskeln, um die Luft langsam und kontrolliert herauszudrücken. Pffft... weg ist sie! Ok, sage ich mir, das will sich also erst noch entwickeln. Bei anderen mag es schneller gehen, aber wer weiß, was die für Backen haben. Dann lese ich über

  4. Die Luftballonübung. Gerald Kaufmann erwähnt sie kurz, sagt aber nicht, wie sie geht. Ich kann also nur vermuten, dass man die Wangenmuskulatur damit trainiert, rhythmisch Luft aus den Wangen in einen Luftballon zu pressen, während man einatmet. Im Unterschied zur Strohhalmübung ist der Gegendruck groß - je mehr man den Ballon aufbläst, um so größer. Soviel Gegendruck gibt ein Didgeridoo nicht her (soviel ich weiß!). Aber es ist ein gutes Training für jede Backe, ob klein oder groß.

Wahrscheinlich gibt es noch viele andere Übungen, die irgendwo zwischen diesen Extremen liegen: wenig Gegendruck (wie beim Strohhalm), und die Luft ist schnell weg. Viel Gegendruck (wie beim Luftballon) - aber die Wirklichkeit des Didgeridoo ist eben anders.

Analog zum Strohhalm kann man auch Mundharmonika oder Flöte spielen - auch hier ist wenig Gegendruck. Der Vorteil: es entfällt das ständige Geblubber im Wasserglas. Das nervt (mich jedenfalls) auf die Dauer.


 

Umschalten von Lungen- auf Wangenspiel

Bleibt trotz allem noch eine weitere Schwierigkeit übrig - das schnelle Umschalten vom Lungen- auf das Wangenspiel, von der Nasen(ein)atmung zum Blasen durch den Mund. Man kann es drehen und wenden, wie man will. Einatmen und Ausatmen sind von der Natur als Wechselspiel angelegt. Ich sehe keinen Weg, der daran vorbeiführt. Andererseits ist richtig, was oft erwähnt wird: dieser Wechsel ist bei der Bauchatmung (mittels Zwerchfell) erheblich schneller zu bewerkstelligen als bei der Brustatmung. Also hilft es, seine Bauchdecke beim Üben bewußt (und überbetont) mitzubewegen. Wenn man die Hand auf die Bauchdecke legt, spürt man selbst die kleinsten - ruckartigen - Bewegungen des Zwerchfells beim Wechsel von Ein- und Ausatmen. Das übe ich immer wieder mal, denn das braucht man ohnehin, wenn man einen schnellen Rhythmus ins 'Drönen' (eine neue Wortschöpfung mancher Didgeridoo-Spieler: von engl. 'drone' = Brummen) bringen will.

Schließlich fällt mir noch etwas anderes ein. Vor Jahren habe ich über das Intuitive Atmen bei Karl Scherer gelesen - und über das Kreisatmen. Sicher, da geht es um etwas anderes. Um das Hinführen zum 'Großen Atem'. Über das 'persönliche Atmen' hinaus führt ein Weg, der dich erleben läßt, wie du, eingebunden in den Großen Atem der Welt, geatmet wirst ... schwer zu beschreiben, und so genau weiß ich es auch nicht. Jeder erlebt es auf seine Weise, und später erinnert man sich nur spärlich daran, was genau da geschah, wenn dieser besondere Bewußtseinszustand vorbei ist.

Mag sein, dass es mit der Zirkularatmung ähnlich läuft. Wenn es geschieht, geschieht es mit dir ... bewußtes oder gar zwanghaftes Anstrengen verhindert den Zustand, anstatt ihn zu befördern. Also ist es, wie David Linder und andere immer wieder betonen, auch ein gut Teil Geschehen lassen ...

Summa Summarum, möchte ich sagen: es kommt wohl darauf an, die Wangenspieltechnik zu erlernen. Und das ist schließlich eine Kunst, und kein Trick. Und wie bei jeder Kunst kommt es auf's Können an. Und auf die Anlage oder Begabung. Und über allem steht das, was alle Könner sagen: üben, Üben, ÜBEN, ... alles andere geschieht von selbst.

 robin jules   Dazu passt ein hübsches Bild, das ich eines Abends machte, als mir unsere Hunde Robin (links) und Jules das Spiel mit dem Rohr nachmachten. Glaubt ihr nicht? Dann seht doch selbst.
 
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