Günther's Didgeridoo Geschichte

Geschrieben von Gü. Veröffentlicht in Selbst Musizieren

Ein Mundstück selbst gemacht

Von diesem Bienenwachs-Riegel schnitt ich eine Scheibe ab - es geht ganz gut, wenn man das Messer heiß macht! - und wärmte sie im Backofen auf niederster Stufe an, eingewickelt in Backpapier. Das ging auf Anhieb. Dann habe ich es geknetet, wie ich es seinerzeit gelernt hatte, als ich mir das Töpfern beibrachte. Erst eine Kugel, dann eine Wurst. Diese dann flachdrücken zu einem Band, das etwas länger ist, als der Umfang des Rohres misst. Das Rohr ein wenig mit dem Föhn anwärmen, das nützt. Dann das Wachsband um das Rohrende gelegt, so dass gut die Hälfte des Bandes übersteht. Die Enden werden übereinandergedrückt und was übersteht, mit dem Messer abgeschnitten.

Mit der hohlen Hand das Wachs nun andrücken und warm halten. Wenn es zu steif ist, mit dem Föhn darüber blasen, bis es sich wieder gut kneten lässt. Dann vorsichtig andrücken, von oben nach unten - wie sonst? Na ja, das geht alles wie von selbst, und ist einfacher zu machen als es sich beschreiben lässt.

Nun kommt die Innenwand dran. Dazu wird das Wachs langsam nach unten 'geschoben'. Mit dem Daumen kann man es nach und nach an die Innenwand des Rohres drücken und festpressen. Auch das ist kein Problem. Soll der Übergang vom Wachsmundstück zum Rohr fließend sein oder ein kleiner Absatz stehen bleiben? Ich weiß es nicht definitiv, da beide Sichtweisen vertreten werden. Und welchen Unterschied macht das schon bei einem Anfänger, der sich noch um die ersten Töne müht?

Der freie Teil des Wachsbandes, der über das Rohrende hinausragt, wird nach innen gebogen - peu à peu. Schließlich hat man oben einen kugelförmigen Abschluss mit einem Loch in der Mitte. Keine Sorge, wenn das Loch unregelmäßig ist. Das schneiden wir später gleichmäßig aus.

Aber wie groß soll die Öffnung sein? Zwischen 20 und 35 mm, lese ich. Ich fange also mal klein an. Zur Hilfe nehme ich eine kleine Parfümöl-Flasche aus meinem Kosmetik-'Baukasten'. Den habe ich noch aus der Zeit, als ich selbst Naturkosmetik hergestellt habe. Die 10 ml Flaschen sind im Durchmesser 20 mm. Das hat sich bewährt und tut es immer noch. Ich lese, dass die Anfänger kleine Öffnungen bevorzugen. Ok, ich bin ein Anfänger. Also die Flasche in die Öffnung gesteckt und das Wachs schlüssig daran geknetet. Am Ende ziehe ich sie heraus und habe ein kreisrundes Loch. Keine Ahnung, ob das gut ist. Jedenfalls sieht es gut aus.

Nun kommt noch die Feinarbeit, denn schließlich soll das Mundstück etwas gleich sehen. Das heißt, die Höcker flachdrücken und die Mulden, die sich beim Andrücken ergeben haben, ausgleichen. Wenn man es mit einem Handföhn warm hält, ist das kein Problem.

So weit verlief alles befriedigend. Ich saß vor unserer Küchentür im Schatten, den Föhn hatte ich durch das Küchenfenster angeschlossen, und genoss den warmen Sommertag und den kräftigen Duft, den das Bienenwachs ausströmt, wenn es noch 'grün' ist. Das war mit der schönste Teil der Arbeit an meinem ersten Rohrinstrument.