Indian Love Flute

Geschrieben von Super User. Veröffentlicht in Die indianische Flöte

Die Indianische Liebesflöte - Indian Love Flute

Als ich mein Ahorn-Didgeridoo soweit fertig hatte, dass ein erfolgreiches Ende absehbar war, nahm mein Interesse eine überraschende Wendung. Ich hatte Gefallen an der Native American Flute gefunden und wollte versuchen, selbst eine Flöte zu machen.

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haeschen floete

Eine Flöte, die tief genug spielt und den berückenden Sound hat, wie er aus der meditativen Flötenmusik bekannt ist. Also gewiss keine Blockflöte, die lag mir überhaupt nicht - und alle Bekannten, die ich fragte, konnten sich mit der Blockflöte (übrigens heißt sie im Englischen 'Recorder'; für den Fall, dass Sie im Internet darauf stoßen!) nicht anfreunden. Mag sein, dass dabei unliebsame Kindheitserinnerungen geknüpft waren. Oder aus anderen Gründen - jedenfalls fand jeder die Blockflöte ... na ja, wir wollen sie nicht schlecht machen. Ich habe gute Flötenspieler erlebt, die auf der Blockflöte zaubern konnten. Ich konnte es jedenfalls nicht. Und ich wollte weg vom klassischen Flötenspiel mit Notenlehre, Unterricht, Fingerübungen usw. Eine Art Hirtenflöte, die man so frei und unabhängig - fast möchte ich sagen 'unbändig' - spielen kann wie das Didgeridoo.

Hörbeispiel {play}/images/musizieren/sclerarnthus_thema2_indianflute.mp3{/play}

Die BearFlute von Sleeping Bear. Leider findet man ihn nicht mehr im Netz. Schade.


 

Wie es dazu kam

Also gut, ich machte mich daran, eine Flöte aus einem angegrauten Wanderstock zu schnitzen. Ich will die Geschichte abkürzen, denn das Ende vom Lied ist einfach - es wurde nichts Richtiges daraus. Kein annehmbarer Ton, nicht einmal ein Grundton war dem Holz zu entlocken.

Nun, das stachelte meinen Ehrgeiz an und ich machte mich daran, Pläne für den Bau einer einfachen Flöte im Internet zu suchen. Zuerst schrieb ich einige der hervorragenden 'Flutemaker' an, die deren Homepage ich entdeckte. Sie mailten bereitwillig zurück, aber alle mit demselben Ergebnis: es ist viel zu schwierig für einen Anfänger. Und sie behielten ihr Wissen für sich. Der einzige, der etwas von sich hergab, war Sleeping Bear , der den Plan für eine 'Modern Mans Flute' (also eine PVC Flöte) für 1 Dollar versendet. Doch bevor dieser ankam, war ich anderswo fündig geworden.

Ich entdeckte die Seite des amerikanischen 'Flute Forums' - und dort all das, was ich suchte: mehrere Bauanleitung für PVC-Flöten, Anleitungen zum 'Fine Tuning', Spielanleitungen usw. Dabei war auch eine Konstruktionszeichnung mit genauen Maßen für eine D-Flöte (das ist eine Terz tiefer als unsere klassische Alt-Flöte). Damit wollte ich anfangen.


 

Erste Versuche

Das erste Rohr, das ich zur Hand hatte, war ein 15 mm Durchmesser PVC-Rohr mit geringer Wandstärke (schätze ca. 1mm oder weniger). Ich mach's wieder kurz - es wurde nichts. Dann ging ich in den nächsten Baumarkt und fragte nach PVC-Rohren. Das kleinste Rohr hatte 32 mm Durchmesser. Oho, das war doch viel zu dick. Aber etwas anderes gab es nicht. Also fing ich damit an. Der Bauplan für eine indianische Flöte weicht erheblich von dem ab, was wir von der Blockflöte kennen. Im nächsten Bild zeige ich eine Skizze, die das Prinzip erläutern soll.

a)

 flute construction

b)

 flute construction2
 

Das Prinzip einer Indianischen Flöte aus PVC. a) von der Seite gesehen b) von oben gesehen (Die Position des Deckels ist nur angedeutet). Die Konstruktion ist so einfach wie möglich gehalten.

Das Prinzip ist denkbar einfach. Der Windkanal liegt offen, wenn man den Deckel entfernt. Von oben gesehen, ist es ein schmaler Schlitz im PVC-Rohr, durch den man den Stopper in voller Länge sieht. Der kritische Luftspalt ist rechts, links sieht man noch eine Ecke des Windkanals. Dieser ist in seinen Abmessungen unkritisch, deshalb kann man die Flöte gut justieren, zumal man mit dem Deckel noch eine weitere Möglichkeit zur Feinjustierung hat.

Ich beschreibe später, wie ich es gemacht habe. Man hat bei dieser Flötenbauweisen weit mehr Möglichkeiten, Fehler zu korrigieren, als bei unserer Blockflöte. Es ist also jedem möglich, eine solche Flöte selbst zu bauen, wenn das Interesse und die Geduld groß genug sind.

Erstaunlich finde ich, dass mit einer solch einfachen Bauweise, zumal aus PVC, ein annehmbar schöner Sound produziert werden kann, der sich bestens mit dem Didgeridoo abstimmen läßt.

Noch einmal das Beispiel einer kleinen Komposition: {play}/imgages/musizieren/sclerarnthus_thema2_indianflute.mp3{/play}


 

Eine Bauanleitung im Einzelnen

- für eine tiefe D-Dur Flöte

Ich beschreibe hier den Bau einer PVC-Flöte in D-Dur Stimmung. Das bedeutet, dass der Grundton (der tiefste spielbare Ton) ein D (genauer: D4) ist.

Man nehme also ein PVC-Rohr mit 32 mm Durchmesser außen. Die Wandstärke ist 2 mm, also ist der Innendurchmesser 28 mm.
Für eine D-Flöte brauchen wir ab Luftspalt bis zum mundfernen Rohrende ca. 51,5 bis 53 cm - lieber ein paar Millimeter zugeben und später abnehmen, wenn es auf eine genaue Stimmung ankommt. Vom Luftspalt bis zum Mundstück wählte ich 11 cm Rohrlänge (ist unkritisch). Das macht eine Gesamtlänge von 63 bis 64 cm.

Für den Stopper nahm ich ein Stück eines Holzstabes. Sein Durchmesser ist 28 mm genau. Er muss nachher stramm sitzen. Da ich keinen Holzstab mit exakt diesem Durchmesser fand, der genau ins Rohr passt, habe ich mir aus einem Stück Ast einen Stopper an der Schleifscheibe gefertigt.


Der Luftspalt

flute construction3

Nun müssen wir den Luftspalt anbringen (siehe Graphik). Das ist eine kritische Stelle. Der Spalt darf nicht zu breit werden - das war zuerst mein Kardinalfehler gewesen. Inzwischen war meine erste solche 'echt Indianische' von Sleeping Bear angekommen und ich erkannte schnell, welche Fehler ich bisher gemacht hatte: mein Luftspalt (engl. 'Fipple') war viel zu groß gewesen. Also machte ich es nun besser - der Spalt muss schmal genug sein, die Länge können wir mit dem Stopper regulieren.

Wir peilen zwar eine Spaltbreite von 6 mm an, beginnen aber sicherheitshalber mit 5 mm und machen es mit der Feile passend - nach Gehör. Die Spaltlänge ist relativ unkritisch, ich habe 28 mm gewählt.

Also nehmen wir einen 5 mm Bohrer (Holz- oder Stahlbohrer, beides geht) und bohren auf einer Linie 5 Löcher (klein vorbohren hilft!). Wir machen die Löcher so dicht wie möglich auf einander - aber eben nicht zu dicht - und schneiden die Brücken zwischen den Löchern mit dem Messer aus. Auf einer Seite (dem Mundstück zugewandt) lasse ich den Spalt rund, auf der anderen Seite (der eigentliche Luftschlitz!) schneide ich ihn rechteckig. Mit einem scharfen Messer ist das kein Problem.

Wir haben also jetzt folgendes Stadium erreicht:


 Der Stopper

Wir kommen nun also zum Stopper, der den Luftstrom nach oben zum Windkanal lenkt. Einige der amerikanischen Flötenbauer empfehlen für die PVC-Flöte einen Stopper aus Kork. Wer einen passenden Korken findet, kann es gerne ausprobieren. Ich habe darauf verzichtet, einen Korken passend zu schneiden und, wie schon gesagt, einen Holzstab passend zum Innendurchmesser des Rohres geschliffen. Es ging ganz gut.

Egal nun, aus welchem Material, wir brauchen einen passenden Stopper von 20 mm Länge. Die Oberfläche, die aus dem Windkanal schaut, sollte möglichst glatt sein. Der größere Rest kann mit Wachs gedichtet werden. Dazu ziehe ich eine dünne Wachsschicht auf (Bienenwachs ist recht elastisch, wenn man es mit der Hand wärmt) und presse den Stopper ins Rohr. Mit einem Kochlöffel (oder ähnlichem) schiebt man ihn so weit ins Rohr, dass er etwa in der Mitte des Luftspaltes zu liegen kommt. Das kann man zunächst nach Augenmaß machen, denn prüfen können wir den Abstand erst, wenn wir den Deckel angefertigt haben.


 Der Deckel

Nun ja, im Internet empfiehlt man, ein Rohr zu besorgen, dessen Innendurchmesser identisch mit dem Außendurchmesser unseres PVC-Rohres ist. Ich habe kein solches Rohr gefunden und mir anders geholfen. Vom Rest des Rohres schneide ich ein Stück (ca. 35 mm lang) ab. Dieses teile ich längs in 4 Teile und erhalte so 4 Viertelbogen.

Eines dieser Stücke nehme ich als Deckel, nachdem ich ihn aufgebogen habe. Das geht einfach, wenn man das PVC ein wenig anwärmt (auf die Heizung legen, hat schon gereicht!). Wenn es plastisch wird (aber nicht schmilzt!), drücke ich den Bogen ein wenig flach. Wie weit? Prüfen.


 Die erste Justierung

Wir sind nun an einer heiklen Stelle angelangt. Der Luftspalt ist zu hoch - nämlich Rohrstärke, und das sind 2 mm. Damit lässt sich kein Ton erzeugen (selber probieren). Wir müssen das Rohr an der Stelle, wo der Luftspalt sitzt, abflachen. Das geht mit einer Feile ganz gut. Aber Vorsicht! Nicht mehr als 1 mm wegnehmen. Was zuviel ist, kann nur schwer korrigiert werden (es geht, ist aber nicht einfach!). Also:

  • Stopper nach vorn schieben, Abstand zum Luftspalt-Ende ca. 5 - 6 mm. Nun den Deckel aufsetzen und prüfen, ob er 'luftdicht' sitzt. Das heißt, seitlich darf keine Luft herauspfeifen (spürt man, wenn man bläst). Mit der Vorderkante schließt der Deckel auf Höhe des Stopper-Endes ab. Nicht genau, es hängt davon ab, wie wir die Flöte gebaut haben - kleine Unwägbarkeiten gibt es immer, wenn man keine Präzisionsmaschine hat (haben wir nicht, OK?)

Nun sachte anblasen - wir haben eine tief klingende Flöte und keine Pfeife! Es muß ein weicher Ton kommen, der etwas tiefer als das D liegt, das wir anpeilen. Wir probieren immer mal wieder am Stopper - und justieren den Deckel danach. Nach meiner Erfahrung klappt es immer - mehr oder weniger gut.

Wenn noch kein Ton kommt oder der Ton zu windig ist, müssen wir die Spalthöhe verringern. Also das Rohr noch ein wenig mit der Feile flach feilen, auch die Luftkante, an der sich der Luftstrom beim Spielen brechen soll. Darauf achten, dass wir ein ebenes Bett für den Deckel erhalten, damit die Luft nicht seitlich (oder hinten) entweichen kann.

Nun prüfen wir noch die erste Oktave zum Grundton - also das 'hohe D'. Einfach kräftiger anblasen, eventuell stoßweise. Die Justierung ist erst dann befriedigend, wenn auch das hohe D einigermaßen sauber kommt. Kommt es allerdings dauernd, das heißt, schnappt der Grundton beim Anblasen rasch in die nächste Oktave, dann ist unser Luftspalt an der Schneide zu klein und wir müssen a) den Deckel b) den Stopper nach hinten schieben. Bruchteile eines Millimeters können entscheidend sein, also mit etwas Geduld ans Werk gehen - die Qualität unserer Flöte steht auf dem Spiel.

Nehmen wir an, soweit hat alles geklappt. Dann können wir einstweilen den Stopper arretieren (einfach das Rohr außen mit einem Föhn anblasen, bis das Wachs weich (aber nicht flüssig) ist. Dann von hinten durch das Rohr schauen - es darf keine Luft am Stopper seitlich entweichen (daher der Name Stopper!). Ich mußte ein wenig Wachs zum Abdichten von außen nachfüttern. Das geht - oder man macht es durch den Luftspalt von oben.

Wer den Stopper einkleben will, sollte erst warten, bis die Löcher gebohrt sind - es könnte ja sein, dass wir noch einmal nachjustieren müssen.

Den Deckel können wir einstweilen mit Klebeband befestigen. Das ist sicherer, damit er uns beim Stimmen der Flöte nicht verrutscht! Später können wir ihn mit einer hübschen Kordel festbinden - oder stilecht einen Fetisch darauf setzen (wird später beschrieben).


Die genaue Stimmung

rohrflöte1 grundton spec

Wer Wert darauf legt, eine Flöte zu bauen, die auch mit anderen Instrumenten harmoniert, der kommt nicht darum herum, die Flöte nun auf genaue Länge zu bringen. Dazu gibt es mehrere Möglichkeiten. Ich habe zwei ausprobiert:

  1. erstens: die Stimmung mit einem Programm zur Frequenzanalyse, wie es bereits beschrieben ist (Ich hatte damals CoolEdit96 verwendet, heute gibt es andere Programme, mit denen man Audio aufnehmen und eine Frequenzanalyse machen kann, z. B. Audacitiy).
  1. Zweitens: Die Stimmung nach Gehör. Dazu nimmt man entweder eine Stimmpfeife oder ein anderes Instrument, das eine 'feste' Stimmung besitzt (also besser nicht die Geige). Beispielsweise das Klavier, oder ein Keyboard (habe ich mir vor 10 Jahren für 30 Mark gekauft). Oder man geht zu jemandem mit einer Säge und Feile, der ein solches Instrument besitzt.

Ich mache allerdings gerne vorher noch ein Bell-End, wie ich es von meinen Kunststoff Didgeridoo gewöhnt bin. Das geht ganz einfach - das Rohrende erwärmen (ich mache es über der Gasflamme, über einer Kochplatte geht es auch), bis das PVC plastisch wird (aber bitte nicht zu weich!). Dann stülpe ich das Rohr über Glasflasche und drücke es vorsichtig nach unten. Dabei spreizt es sich auf - und man hat ein schönes, nach außen gebogenes Ende. Ich finde, dass das Rohr so besser klingt, aber vielleicht ist das auch Geschmacksache.

Wenn man die Stimmung vorher macht, muß man damit rechnen, dass der Grundton ein wenig nach oben rutscht (beispielsweise von D4 - 30 nach D4 - 11). Das ist weniger als ein Halbtonschritt, aber vielleicht ist es schon zuviel, wenn man vorher schon am oberen Ende der D-Stimmung war!


 Die Tonleiter

Wenn wir den Grundton haben, können wir auf unseren ersten Erfolg stolz sein. Für einen Anfänger ist das bereits ein beachtlicher Schritt. Nun möchten wir natürlich mehr, als ein-tönig zu tuten, auch wenn es sich schön anhört.

Die erste entscheidende Frage ist - welche Stimmung? Ich halte mich an die Tradition indianischer Flöten und wähle eine '6 Ton Stimmung' (die traditionelle pentatonische Tonleiter besitzt nur 5 Löcher). Aber ich habe die Maße nur für die diatonische (6 Ton) Stimmung gefunden, und diese kommt der klassischen näher. Also beschreibe ich hier die Abmessungen und die Vorgehensweise, wie ich sie selbst übernommen habe. Mit geringen Abwandlungen allerdings. Die oberen beiden Löcher mußte ich etwas tiefer setzen als angegeben. Kann sein, das kommt von dem großen Rohrdurchmesser, den wir gewählt haben (28 mm ist mehr als die Schule erlaubt - normalerweise rechnet man für das Verhältnis von Länge zu Durchmesser etwa 30:1. Bei uns ist es etwa 22:1). Die Maße sind also Rohmaße - wir müssen das Fein-Tuning selbst besorgen, auf die Maße ist kein Verlass.


 Welcher Loch-Durchmesser?

Die Lage der Löcher hängt auch davon ab, wie groß die Löcher werden sollen. Haben sie schlanke und schmale Finger, oder können sie mit dem Zeigefinger eine Bierflasche luft- und bierdicht verschließen? Ich habe vermutlich durchschnittlich große Finger und ich ziehe größere Löcher vor - man findet sie leichter. Daher strebe ich immer 8 mm große Löcher an, aber mit 6 mm bin ich auch noch zufrieden.

Die ungefähre Lage der sechs Löcher entnimmt man der folgenden Tabelle (sie entspricht in etwa den Vorgaben von Dan Bruner).

     

Grundton
(alle Löcher geschlossen)

D 4

51,4 cm
Abstand: Vom Luftspalt bis zum Rohrende

   

Abstand vom Luftspalt ab gerechnet


1. Loch offen

E

40,2 cm

2. Loch offen

Fis (F#)

34,9 cm

3. Loch offen

G

32,4 cm

4. Loch offen

A

26,9 cm

5. Loch offen

H (engl. B)

23,0 cm

6. Loch offen

Cis (C#)

19,3 cm

(7. Loch auf der Rückseite, falls man die Oktave wie bei einer Blockflöte spielen will.)

B

17,3 cm

     

Zunächst überträgt man die Maße auf das Rohr. Man kann sich das Bohren erleichtern, wenn man die Oberseite des Rohres dort, wo die Bohrungen hin sollen, ein wenig mit der Feile abflacht. Dann greift der Bohrer besser - und wir wollen später die Vertiefung für die Finger doch ein wenig ausformen.

Ich bohre mit einem 4 mm Holzbohrer an und erweitere auf 5 mm. Wegen des dicken Rohres braucht man eine gewisse Lochgröße, sonst kann man keine Tonleiter spielen, die Töne kommen windig und unrein. Aber 5 mm geht schon, 6 mm ist natürlich besser. Die Frage ist, wie genau die Löcher nach den Rohmaßen zu liegen kommen.


 Das Fein-Tuning

Wir beginnen nun mit der Stimmung des 1. Loches (vom Bell-End her gerechnet). Dazu klebe ich die anderen 5 Löcher mit einem Klebeband ab - das erleichtert die Arbeit. Dann vergleicht man den Ton, der sich bei mittelstarkem Spiel (eher schwächer als stärker) ergibt, mit dem Soll: es soll ein möglichst reines E sein. Klavier oder Keyboard - oder eine Flöte, wobei man eine Oktave höher spielt.

Wer das Tuning mit dem Computer macht, schließt sein Mikrofon an und spielt den Ton möglichst gleichmäßig und lange. Dann auf > Frequency Analysis gedrückt (in der Menue-Leiste von CoolEdit96 unter > Analyze > Frequency Analysis - oder einfach Alt+Z). Es erscheint dann ein Spektrum im Graphik-Fenster und im zweiten Textfeld darunter die Frequenz des Maximums und, in Klammer dahinter, die Tonangabe, also beispielsweise E4 - 22).

In der Regel liegen wir ein klein wenig zu tief - weniger als ein Halbtonschritt. Man hört es auch, wenn man genau hinhört. Das ist in Ordnung, wenn wir ohnehin ein größeres Loch wollen - also bohren wir nun auf 8 mm Durchmesser auf. Dann wiederholen wir das Tuning mit dem 1. Loch. Wenn wir zufrieden sind, gehen wir zum nächsten Loch weiter. Wenn nicht, können wir feine Korrekturen noch mit der Feile versuchen - allerdings werden wir den Ton höher, aber nicht mehr tiefer bekommen. Das ist die Crux. Also möglichst kleine Löcher am Anfang, damit man etwas Spielraum hat. Zur Not kann man auch auf 10 mm aufbohren, wenn man entsprechend breite Finger hat.

Mit dem 2. Loch verfahren wir genau so. Das erste Loch bleibt jetzt offen und wir spielen das Fis (F#). Wer allerdings eine d-moll Stimmung möchte, muß etwas anders verfahren, denn diese verlangt nach dem F und das liegt einen Halbton tiefer. Die entsprechenden Maße muß man austüfteln, ich habe sie (noch) nicht probiert.

Das 3. Loch offen ergibt das G - das ist nur einen Halbtonschritt vom Fis entfernt. Also liegt das Loch relativ knapp oberhalb des 2. Loches. Und damit der Abstand nicht zu klein wird, bleibt der Durchmesser bei 6 mm. Auch hier heißt es: spielen, bohren, feilen - bis der Ton sitzt.

Das 4. Loch ist wieder weiter weg - ca. 5,5 cm. Das ist in Ordnung. Dieses und die nächsten beiden lagen bei mir etwas zu hoch, wenn ich die Angaben von Dan Bruner genau nehmen - ich habe sie also 2 mm herunter gesetzt.

Nehmen wir an, wir haben nun alle 6 Löcher richtig plaziert und dabei entsprechend erweitert, bis die Tonleiter rein kommt (bitte, wir sind Amateure, also die Ansprüche nicht zu hoch setzen!). Dann können wir sie mit Sandpapier etwas abflachen - oder mit einem Senkbohrer leicht ansenken, so dass eine kegelförmige Vertiefung entsteht. Ich benutze die Feile und Sandpapier, das reicht mir. Man findet die Löcher leichter und kann sie besser abschließen, wenn man sie ein wenig ansenkt. Aber Vorsicht, nicht zu tief kommen, sonst verändert sich der Ton!!!

Wir haben nun die Tonleiter bis zum Cis (C#) auf der Flöte. Das ist die erste Oktave. Das hohe D (D5) spielt man, in dem man alle Löcher schließt - das heißt, alle Finger aufsetzt - und kräftig bläst ('überblasen'). Wenn die Flöte gut geworden ist, kommt das hohe D sauber. Wenn nicht, können wir das Justieren am Windkanal wiederholen. Wenn man den Kanal etwas enger macht, kommen die hohen Töne besser - aber vielleicht auch die tiefen schlechter. Es ist dann eine Gradwanderung.

Wenn man es besonders gut trifft, kann man die 2. Oktave ganz spielen - einmal kam ich bis in die 3. Oktave. In der Regel war ich aber beim hohen G schon am Ende. Na ja, das ist nicht schlecht und reicht für einfache Melodien.

Und nun viel Spaß beim Tuning. Und vor allem beim Spielen. Es ist schon ein erhebendes Gefühl, wenn man das erste Lied auf einer selbst gebauten Flöte spielt. Oder?


 Schmücken und Verzieren

Wer ein graues PVC-Rohr, meist mit Aufdruck, nicht als Flöte bezeichnet, kann sich nun eine Dose Lack besorgen - ich habe es mit schwarzem Autolack-Spray gemacht. Sicher, wir wollen die Verbreitung von Sprühdosen nicht befördern. Wer also prinzipiell dagegen ist, muß sich eine andere Lösung ausdenken. Zum Beispiel die Farbe pinseln oder rollen. Oder das Rohr bekleben. Was weiß ich...

Vorsicht am Windkanal - am besten läßt man ihn, wie er ist. Dazu wird er mit Klebeband abgedeckt, bevor man ans Sprühen geht.

Eine indianische Liebesflöte braucht einen (sogenannten) Fetisch (engl. Fetish). Ich mag das Wort nicht besonders, aber es ist nun mal der Fachausdruck. Dabei handelt es sich um eine Figur, die normalerweise den Windkanal abschließt. Wer etwas Geschick und Übung hat, kann auf den Deckel ganz verzichten und seinen Fetisch als Deckel benutzen - das wäre stilecht. Ich mache zur Zeit noch Kompromisse und klebe den Fetisch auf den Deckel. Das sieht auch nicht schlecht aus und ist sicherer.

Nun, woher eine Figur nehmen, die auf den Deckel paßt und ein wenig (ein wenig!) über das Luftloch ragt? Ich mache mir die Figuren selber - aus Wurzelholz. Oder aus knorrigen Ästen. Dazu brauche ich nur auf meinen Spaziergängen durch den Wald querein gehen und auflesen, was mir geeignet erscheint. Bruchholz gibt es heutzutage haufenweise. Dann setze ich mich an die Schleifscheibe und ... na ja, ich bin mit dem zufrieden, was dabei herauskommt. Manchmal sieht es nach etwas aus, beispielsweise bei der Häschen-Flöte. Die Mühe hält sich in Grenzen, und wer nicht an Serienproduktion denkt, kann seine Phantasie frei laufen lassen.


 Eine Kordel zum Festbinden

In den Sockel des Fetisch bohren wir zwei Löcher - 4 mm Durchmesser genügt. Durch diese Löcher wird die Kordel gezogen und mehrmals um das Rohr gewickelt. Der Deckel muß stramm sitzen, damit keine 'falsche Luft' entweicht ('falsch ist, wenn sie woanders als am Luftspalt herauskommt). Wenn wir mit unserer Konstruktion zufrieden sind, können wir den Fetisch auf dem Deckel aufkleben. Man kann ihn auch lose lassen, dann ist es ein wenig schwieriger, Fetisch und Deckel zu justieren - aber es geht.

Ans Ende der Kordel mache ich gerne kleine Kugeln aus Holz. Oder aus Eicheln, das sieht besonders hübsch aus!


 Perlen aus Bienenwachs

Man kann das Rohr nun nach Belieben verzieren - oder es lassen wie es ist. Ich habe für mein Kunststoff Didgeridoo eine Technik probiert, die ein hübsches Ergebnis gibt. Dazu schmelze ich etwas Bienenwachs (Kerzenwachs geht auch) in einem kleinen Blechtöpfchen (stammt von Windlichtern) und bringe es zum Schmelzen. In das flüssige Bienenwachs rühre ich etwas Farbpigment, wie man es für Schminken benutzt. Oder ich mache mir Puder selber aus getrocknetem Lehm.

In das Bienenwachs taucht man ein dickes Zündholz oder etwas ähnliches und zieht einen Tropfen heraus. Dann auf das Rohr - fertig. Es entsteht eine hübsche Farbperle, die fest haftet. Mit solchen Perlen kann man nun nach Belieben Muster bilden. Wer viel Geduld hat, kann seine ganze Flöte damit bedecken (besser nicht!). Ich bin mehr für's Dezente und spare mir die Arbeit.


 

Ein wenig Klangfarbe

Wer noch ein wenig Farbe in den Flöten Sound bringen möchte, kann noch die Paraffin-Methode anwenden (ich habe sie beim Didgeridoo-Bau beschrieben). Dabei wird Paraffin (bitte Nahrungsmittel - Paraffin verwenden!) geschmolzen und vom Bell-End her ins Rohr gegossen. Langsam, in kleinen Schritten, und immer nur ein wenig. Vorsicht, bitte, dass der Stopper nicht völlig eingedeckt wird! Also immer wieder zurückgießen, was nicht gleich haften bleibt. Die Löcher klebe ich vorher ab, damit ich die Paraffin-Schicht rings herum legen kann. Sie soll ruhig unregelmäßig sein, damit ein warmes Klangbild entsteht - Kunststoffrohre ergeben normalerweise einen etwas 'blechernen' Sound (das ist stark übertrieben). Letztlich ist es Geschmacksache - oder man probiert es einfach selber mal aus.


 Ein Mundstück?

Eigentlich sind wir jetzt fertig und könnten ans Spielen gehen. Dabei werden wir feststellen, dass ein offenes Rohr sich anders spielt als die klassischen Flöten - auch nicht schlecht. Aber es ist nicht nach jedermanns Geschmack. Und ein Mundstück herstellen, ist keine große Sache. Indianische Flöten haben nämlich runde Mundstücke, und die spielen sich ganz gut.

Ein Mundstück aus Holz -

   

mundstueck konvex

mundstueck konkav

 ... hier die konvexe Bauform.  ... oder die konkave Bauform.

Also nehmen wir wieder ein wenig von dem Holzstab, aus dem wir den Stopper hergestellt haben., und bohren von vorn ein Loch durch die Mitte. Der Durchmesser kann individuell gestaltet werden. Ich mag ein 8 mm Bohrung ganz gerne. Etwa 3 - 4 cm Tiefe reicht aus. Nun formen wir ein kuppelförmiges Mundstück - entweder an der Schleifscheibe (das mache ich), oder mit der Feile. Mit Sandpapier machen wir es schön glatt, denn dieses Stück wird an die Lippen angesetzt.

Dann schneiden wir auf dieser Länge den Stab ab und nehmen den gebohrten Teil. Wer will, kann ihn von der Rückseite her noch ansenken. Nun muss noch ein Ansatz her, damit der Stopfen im Rohr gut sitzt. Auch das mache ich mit der Schleifscheibe, den Rest besorgt das Schnitzmesser. Wir prüfen immer wieder, ob der Ansatz ins Rohr passt.

Wenn der Stopfen sitzt, dichten wir mit etwas Bienenwachs (das lässt sich wieder lösen!) oder kleben ihn ins Rohr. Fertig.

haeschen floete

Nun haben wir eine Flöte mit allem Drum und Dran. Wenn sie gut spielt, haben wir ein echtes Prunkstück zum Vorzeigen - und Vorspielen. Wenn nicht, können wir es immer noch vorzeigen (und verzichten auf's Vorspielen!).

Viel Spaß beim Nachmachen!!! Oder besser - beim Mitmachen!!!