Indian Love Flute

Geschrieben von Super User. Veröffentlicht in Die indianische Flöte

 Das Fein-Tuning

Wir beginnen nun mit der Stimmung des 1. Loches (vom Bell-End her gerechnet). Dazu klebe ich die anderen 5 Löcher mit einem Klebeband ab - das erleichtert die Arbeit. Dann vergleicht man den Ton, der sich bei mittelstarkem Spiel (eher schwächer als stärker) ergibt, mit dem Soll: es soll ein möglichst reines E sein. Klavier oder Keyboard - oder eine Flöte, wobei man eine Oktave höher spielt.

Wer das Tuning mit dem Computer macht, schließt sein Mikrofon an und spielt den Ton möglichst gleichmäßig und lange. Dann auf > Frequency Analysis gedrückt (in der Menue-Leiste von CoolEdit96 unter > Analyze > Frequency Analysis - oder einfach Alt+Z). Es erscheint dann ein Spektrum im Graphik-Fenster und im zweiten Textfeld darunter die Frequenz des Maximums und, in Klammer dahinter, die Tonangabe, also beispielsweise E4 - 22).

In der Regel liegen wir ein klein wenig zu tief - weniger als ein Halbtonschritt. Man hört es auch, wenn man genau hinhört. Das ist in Ordnung, wenn wir ohnehin ein größeres Loch wollen - also bohren wir nun auf 8 mm Durchmesser auf. Dann wiederholen wir das Tuning mit dem 1. Loch. Wenn wir zufrieden sind, gehen wir zum nächsten Loch weiter. Wenn nicht, können wir feine Korrekturen noch mit der Feile versuchen - allerdings werden wir den Ton höher, aber nicht mehr tiefer bekommen. Das ist die Crux. Also möglichst kleine Löcher am Anfang, damit man etwas Spielraum hat. Zur Not kann man auch auf 10 mm aufbohren, wenn man entsprechend breite Finger hat.

Mit dem 2. Loch verfahren wir genau so. Das erste Loch bleibt jetzt offen und wir spielen das Fis (F#). Wer allerdings eine d-moll Stimmung möchte, muß etwas anders verfahren, denn diese verlangt nach dem F und das liegt einen Halbton tiefer. Die entsprechenden Maße muß man austüfteln, ich habe sie (noch) nicht probiert.

Das 3. Loch offen ergibt das G - das ist nur einen Halbtonschritt vom Fis entfernt. Also liegt das Loch relativ knapp oberhalb des 2. Loches. Und damit der Abstand nicht zu klein wird, bleibt der Durchmesser bei 6 mm. Auch hier heißt es: spielen, bohren, feilen - bis der Ton sitzt.

Das 4. Loch ist wieder weiter weg - ca. 5,5 cm. Das ist in Ordnung. Dieses und die nächsten beiden lagen bei mir etwas zu hoch, wenn ich die Angaben von Dan Bruner genau nehmen - ich habe sie also 2 mm herunter gesetzt.

Nehmen wir an, wir haben nun alle 6 Löcher richtig plaziert und dabei entsprechend erweitert, bis die Tonleiter rein kommt (bitte, wir sind Amateure, also die Ansprüche nicht zu hoch setzen!). Dann können wir sie mit Sandpapier etwas abflachen - oder mit einem Senkbohrer leicht ansenken, so dass eine kegelförmige Vertiefung entsteht. Ich benutze die Feile und Sandpapier, das reicht mir. Man findet die Löcher leichter und kann sie besser abschließen, wenn man sie ein wenig ansenkt. Aber Vorsicht, nicht zu tief kommen, sonst verändert sich der Ton!!!

Wir haben nun die Tonleiter bis zum Cis (C#) auf der Flöte. Das ist die erste Oktave. Das hohe D (D5) spielt man, in dem man alle Löcher schließt - das heißt, alle Finger aufsetzt - und kräftig bläst ('überblasen'). Wenn die Flöte gut geworden ist, kommt das hohe D sauber. Wenn nicht, können wir das Justieren am Windkanal wiederholen. Wenn man den Kanal etwas enger macht, kommen die hohen Töne besser - aber vielleicht auch die tiefen schlechter. Es ist dann eine Gradwanderung.

Wenn man es besonders gut trifft, kann man die 2. Oktave ganz spielen - einmal kam ich bis in die 3. Oktave. In der Regel war ich aber beim hohen G schon am Ende. Na ja, das ist nicht schlecht und reicht für einfache Melodien.

Und nun viel Spaß beim Tuning. Und vor allem beim Spielen. Es ist schon ein erhebendes Gefühl, wenn man das erste Lied auf einer selbst gebauten Flöte spielt. Oder?