Die Anschläge von Boston

Geschrieben von Gü. Veröffentlicht in Aktuelles gestern

Donnerstag, 18. April 2013

Dies ist der dritte Tag nach den Anschlägen von Boston. Und jeden Tag wartet die Welt auf eine heiße Spur, damit die Frage: „Wer macht so etwas?“ eine Antwort findet. Denn es ist noch immer das Nicht-Verstehen-Können, das die Kommentare in den Medien beherrscht.

 

Und die stereotype Antwort der Ermittler, dass man nach allen Richtungen ermitteln werden. Einig ist man sich darüber, dass es sich um einen Terroranschlag handelt, seit Einzelheiten über den Bau der beiden detonierten Bomben bekannt wurden.

Man stelle sich ein solches Szenario vor: Hunderttausende treffen sich zu einem Sportereignis, das die Welt eint: der Boston-Marathon. Wer in der Sportler-Szene Rang und Namen hat, ist dabei, Aber auch ganz normale Freizeitsportler nehmen regelmäßig teil, wenn sie schnell genug sind, um ein Ticket für Boston zu bekommen. Und wenn sie nicht den Aufwand scheuen, an die Ostküste der Vereinigten Staaten zu fahren, um diese berühmten 42,183 km zu laufen, die im Gedenken an ein nicht ganz gesichertes historisches Ereignis nach einem kleine griechischen Ort ‚Marathon’ genannt werden. Und so wälzt sich eine Schlange von mehr als 27 000 Läuferinnen und Läufern durch die Straßen von Boston. Die meisten von ihnen haben, stolz wie immer, die Ziellinie lange hinter sich, als sich dort zwei Detonationen ereignen. Der Boston-Marathon ist zu Ende, von den Siegern spricht keiner mehr, sondern nur noch von den drei Toten und den mehr als 170 Verletzten.

Zwei mit einfachen Mitteln hergestellte Bomben haben das Unglück verursacht. Ein Schnellkochtopf, Schwarzpulver, Kugeln aus Kugellagern und Nägel, eine Eieruhr sind die wahrscheinlichen Zutaten, deren Reste gefunden wurden. Unvorstellbar, was sie an Unheil anrichteten. Unvorstellbar vor allem, dass die Bomben 4 Stunden nach dem Start nahe der Ziellinie detonierten, als die schnellsten Läufer längst durch waren. Unvorstellbar, dass die Bomben mitten unter den Zuschauern explodierten, die sich in der Nähe des Ziels aufhielten.

Wenn dies alles kein Zufall war, was dann war die Absicht? Wen wollten man mit diesen Terroranschlag treffen? Welche Botschaft steckt dahinter?

Noch kann man nur spekulieren. Eine gezielte politische Aktion kann ich nicht erkennen. Wohl aber die Handschrift von Menschen, die hasserfüllt genug sind, eine solche Tat nicht nur zu denken, sondern zu planen und durchzuführen. Wie verroht muss ein Mensch werden, dass er dazu fähig ist?

Ein achtjähriger Junge, der seinem Vater beim Zieleinlauf zuwinken will und zufällig in der Nähe der Explosionen steht, stirbt an diesem sonnigen Tag in Boston. Ein netter Junge von nebenan, den alle mochten, fährt an diesem Tag nicht mehr nach Hause. Wer kann so etwas wollen? Eine 29-jährige Amerikanerin und eine chinesische Studentin sind tot. Zahlreiche andere Zuschauer, darunter viele Frauen und Kinder, sind zum Teil grässlich verstümmelt. Wer kann an einem solchen Ergebnis Genugtuung empfinden oder gar seine Freude haben?

Die Zeit der Trauer ist noch nicht vorbei. Die Zeit für weitergehende Spekulation ist noch nicht gekommen. Lassen wir es damit bewenden, dass dieser Frühling im Jahr 2013 eine unvergesslich bittere Note bekommen hat.

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